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H.I.M. |
Das auch unter den Namen Abessinien, Kusch und Punt (das Land Gottes) bekannte Land Äthiopien kann auf eine Geschichte zurückblicken, die vor vier Millionen mit Spuren von Fossilien begann. Die menschliche Geschichte beginnt vor drei Millionen Jahren mit den Funden humanoider Überreste im Tal des Awasch Flusses. Seit dieser Zeit ist das Land von Menschen besiedelt und wird als eine der Wiegen der Menschheit bezeichnet. Im
ersten vorchristlichen Jahrtausend wanderten aus Saba (heutige Republik
Jemen auf der arabischen Halbinsel) stämmige Semiten in das von Hamiten
besiedelte Land ein.
Exkurs: Sem ist der älteste Sohn Noahs (Bibel: AT, Genesis 10, 21-32). Er wird als Urahn der Semiten gesehen. Seine Nachkommen sind die hellhäutigen, nördlichen Völker, bspw. die Israeliten. Die Semiten begründeten die drei linearen Religionen Judentum, Christentum und Islam.
Im
4. Jh. n. Chr. wurde mit der äthiopisch orthodoxen Kirche eine eigene
koptische Kirche gegründet und das Christentum zur Staatsreligion
ernannt. Damit ist Äthiopien die älteste christliche Nation der
Erde. Die Zeitrechnung richtet sich nach dem für die Jahresrechnung
exaktesten, existierenden, dem koptischen Kalender. Dieser weist eine Abweichung
von sieben Jahren im Vergleich zum gregorianischen Kalender auf, der heute
in den meisten Ländern angewendet wird.
Im frühen 13. Jh erbaute der König Lalibela seine gleichnamige Hauptstadt nach dem Modell der Stadt Jerusalem, wobei jeder der elf heiligen Stätten in Jerusalem durch eine Kirche aus Stein gedacht wurde. Die Architektur der einzelnen Kirchen war sehr ungewöhnlich. Sie wurden gemäß der althergebrachten Tradition in dieser Region in den Felsen gemeißelt. Die Arbeiter trieben große Gräben in das recht weiche Tuffgestein, das knapp unter der Bodenoberfläche lag. Sobald sie solide Felsblöcke freilegten, höhlten sie diese mit Meißeln aus. Einige Kirchen besitzen Säulen und Fenster, die sämtlich aus dem Felsen gehauen wurden. Als Gruppe stellen diese Kirchen eines der architektonischen Weltwunder dar. Der äthiopische Handel stand Ende des 13. Jh. in seiner Blüte. Knotenpunkt für den Warenfluß war die Hafenstadt Zeila am Roten Meer. Zu den Exportgütern gehörten Gold, Elfenbein, Bernstein, Pferde Tierfelle und auch Sklaven. Der Handelsverkehr verlief nach Norden zum östlichen Mittelmeerraum. Eine andere Route ging über das Rote Meer zur Stadt Aden an der Südspitze der arabischen Halbinsel und von dort aus zu anderen Zielorten am Indischen Ozean. Der Handel lag dabei hauptsächlich in muslimischer Hand, wenn auch einige jüdische, fellachische Kaufleute als Vermittler dienten. Die
Mitte des 15. Jh. n. Chr. war der Beginn einer Epoche von Reformen. Die
Verwaltung der äthiopischen Kirche, die durch verschiedene innerkirchliche
Gruppierungen zersplittert worden war, wurde reformiert und religiöse
Doktrinen wurden schriftlich festgehalten. Politisch entstand ein theokratisches
System. Es war durch die absolutistische Herrschaft eines Monarchen mit
dem Titel Negusa Negast (König der Könige / Kaiser) gekennzeichnet,
der die Teilnahme am Militärdienst und den biblischen Zehnten der
Ernte dafür verlangte, daß er den Menschen Landbesitz gewährte.
Das 17. Jahrhundert in Äthiopien war, wie in Europa, von der Renaissance geprägt. Das galt vor allem für die Zeit der Herrschaft des Sohnes von Johannes I., Iyasus I., auch als Iyasus der Große bekannt. Nachdem dieser 1682 an die Macht gekommen war, zeigte er sich als Erneuerer und geschickter militärischer Stratege. Unter seiner Herrschaft wurden einige der schönsten äthiopischen religiösen Bauwerke erschaffen und die herrschaftliche Autorität in einigen abtrünnigen Provinzen, in denen sich mittlerweile der Islam ausgebreitet hatte, wieder hergestellt. Nach
dem Tod von Iyasus 1706 begann in Äthiopien eine erneute, diesmal
längere Zeit dynastischer Verwicklungen. Während des Niedergangs
der kaiserlichen Herrschaft wurde das Land in mehrere separate Regionen
zersplittert. Die einzige zusammenhaltende Kraft war in dieser Zeit wiederum
die äthiopisch orthodoxe Kirche.
1889 bestieg Menelik II. den Thron und machte Addis Abeba zur Hauptstadt. Er erweiterte seinen Herrschaftsbereich nach Süden und vereinigte Shoa mit den nördlichen Königreichen Tigre und Amhara. Menelik II unterzeichnete mit Italien den Vertrag von Ucciali. Es stellte sich heraus, daß der italienische Wortlaut des Vertrags Äthiopien ungewollt zum italienischen Protektorat machte. Daraufhin widerrief der Kaiser die Vereinbarung, italienische Truppen überfielen den Staat, wurden jedoch bei Adua (1896) geschlagen. Die nachfolgende Vereinbarung zwischen den zwei Nationen erklärte den Vertrag von Ucciali für Null und Nichtig und erkannte die Unabhängigkeit Äthiopiens an. Die Region Eritrea, der Zugang zum Roten Meer, wurde vom Land abgetrennt und blieb unter italienischer Herrschaft. Auch die anderen europäischen Mächte erkannten Äthiopien Ende des 19. Jh. als unabhängigen Staat an. Während seiner Regierungszeit versuchte Menelik II mehr oder weniger erfolglos, den Sklavenhandel in Äthiopien abzuschaffen und die in den Regionen politisch tätigen Rases in ihrer Macht zu beschneiden. Meneliks
Nachfolger, Lij Iyasu (1913-1916), entwickelte starke Sympathien zum Islam.
Er wurde deswegen von der kaiserlichen Leibgarde zugunsten seiner Tante
Zauditu entmachtet, Ihr Versuch, die von Salomon abgeschaffte Matrilinie
auf dem äthiopischen Thron wieder einzuführen, wurde von dem
jungen Ras Tafari Makonnen verhindert und sie wurde kaltgestellt. Bis Makonnen,
ihr Cousin, ein regierungsfähiges Alter erreichte, hatte sie offiziell
noch die Macht.
Exkurs: Der israelitische König Salomon hatte drei Söhne: den Ältesten, Bayna Lehkhem / Menelik I / David II als Herrscher von Äthiopien, seinen Zweitgeborenen Rehoboam, als Salomos Nachfolger auf dem Thron Zions und Adramis den jüngsten Sproß, der aufgrund einer Bitte des römischen Königs Balthasar, der nur Töchter hatte, nach Rom verheiratet wurde. In der äthiopischen Herrscherchronologie Kebra Nagast (Die Herrlichkeit der Könige) wird die bekannte Erde aufgeteilt: Das Zentrum ist Jerusalem. Nördlich bis südwestlich davon liegt der Herrschaftsbereich Roms. Im Süden bis in den Südwesten ist das Reich Äthiopien. Beide Gebiete sind von den Nachfahren Sems, dem Sohn Noahs, besiedelt und werden von den Kindern Salomons regiert. Israel wird als der Vater, Äthiopien und Rom werden als die Geschwister gesehen.
Die von Äthiopien abgespaltene, ehemalige italienische Kolonie Eritrea wurde von der UNO-Generalversammlung zu einer Föderation von Äthiopien und Eritrea, die im September 1952 vollzogen wurde, zugeordnet. Haile Selassie erklärte das Gebiet 1962 zu einer Provinz Äthiopiens und integrierte es dadurch erneut in sein Land. Dies führte zur Formierung einer nationalen Widerstandsbewegung, der Eritreischen Befreiungsfront, und es begann ein militärischer Konflikt, der 30 Jahre später indirekt zum Sturz der äthiopischen Regierung und später zur Unabhängigkeit Eritreas führte. 1963 spielte Haile Selassie eine führende Rolle bei der Gründung der OAU (Organization of African Unity: Organisation der Afrikanischen Einheit) in Addis Abeba. Das größte Problem des Negusa Nagast waren jedoch die innenpolitischen Probleme seines eigenen Landes: die eklatante Ungleichheit bei der Verteilung des Wohlstandes, die mangelhafte Entwicklung der ländlichen Gegenden, die Korruption in der Regierung, die hohe Inflationsrate, die Arbeitslosigkeit. Dazu kamen die Auswirkungen der schweren Dürren und Hungersnöte im Norden zwischen 1972 und 1975. Im Februar 1974 begannen Streiks und Demonstrationen, die am 12. September 1974 in einem Militärputsch zu seiner Absetzung durch den PMAC (Provisional Military Administrative Council), auch Dergue genannt, führten. Im Frühjahr 1975 wurde das gesamte landwirtschaftlich genutzte Land verstaatlicht. Ein großer Teil wurde bald in Parzellen geteilt und an Privatleute vergeben. Im März 1975 wurde die Monarchie abgeschafft, und Äthiopien wurde eine Sozialistische Republik in der sich der 1937 geborene Oberstleutnant Mengistu Haile Mariam zur wichtigsten politischen Figur des Landes entwickelte. Mengistus
Regime wurde weiterhin von Studenten kritisiert, ebenso von verschiedenen
politischen Gruppierungen sowie von zwei separatistischen Bewegungen in
der Ogaden-Region im Südwesten Äthiopiens und in Eritrea. Die
äthiopische Regierung erhielt Hilfe, u. a. durch Truppen aus Kuba
und Berater aus der Sowjetunion. Im September 1984 wurde Äthiopien
ein kommunistischer Staat und Mengistu Generalsekretär der neu gegründeten
Arbeiterpartei (Partei der Werktätigen Äthiopiens). 1987 änderte
das Land seinen Namen in Demokratische Volksrepublik Äthiopien.
In Eritrea errichtete eine weitere Widerstandsgruppe, die Eritrean People’s Liberation Front (EPLF), zur selben Zeit eine Übergangsregierung und die Region erklärte ihre Unabhängigkeit. Äthiopien erkannte den neuen Staat an. Im Herbst 1997 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea zusehends, als Eritrea den äthiopischen Birr abschaffte und eine eigene Währung einführte. Im Mai 1998 kam es zum offenen Grenzkrieg. Bei den Kämpfen wurden etwa 300 000 Menschen vertrieben. Ende 1998 schien der Konflikt beendet. Anfang
Februar 1999 kam es an der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea zu
erneuten Kämpfen. Auslöser waren Streitigkeiten um ein rund 400
Quadratkilometer großes Grenzgebiet, das eritreische Truppen im August
1998 besetzt hatten. Nach Wiedereroberung der Ländereien erklärte
die äthiopische Regierung den Sieg ihrer Streitkräfte. Die Regierung
Eritreas akzeptierte im März 1999 die Bedingungen des von der OAU
entworfenen Friedensplans und erklärte die Zusicherung, die eritreischen
Truppen aus allen strittigen Gebieten zurückzuziehen.
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