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Meine Werdegang als Hanfraucher
In den folgenden Worten findet ihr eine völlig ehrliche Geschichte, es ist meine Geschichte, es ist mein Umgang mit Cannabis über nahezu drei Jahrzehnte. Ich möchte darauf hinweisen, daß alles hier Geschilderte völlig subjektiv ist und auf mich zutrifft, d.h. bei jeder anderen Person kann und wird die Erfahrung anders sein. Auf keinen Fall soll es so sein, daß ich irgendwann mal höre, daß jemand diese  Story gelesen hat, es mit dem kiffen leicht nimmt, abstürzt und dann mit dem Finger auf mich zeigt: "Der da ist Schuld an meinen Psychosen." Also, lest die Geschichte und raucht euch einen, aber bringt beides nicht in Zusammenhang.

Ein weiterer Hinweis: alle Namen, die in der Geschichte verwendet werden, sind entweder Spitznamen oder von mir geändert, stehen aber  für echte Personen. Ich möchte nur auf jeden Fall verhindern, daß es auf irgendeine Art Ärger für jemanden gibt, nur weil er/sie in der Story erwähnt wird. 

Die ersten Begegnungen mit Cannabis hatte ich durch meinen Freund und Klassenkameraden Ulrich, ich war 14, wie er, allerdings war er schon etwas reifer und hatte einige ältere Freunde. Typische Begegnungsorte waren die Kirchen-OTs, ein paar Treffpunkte an der frischen Luft und der Proberaum von Ulrich, wo er und Kollegen mit ihrer Band geprobt haben. Derzeit habe ich mich immer gefragt, was die Leute an dem Zeug so toll fanden und habe eigentlich in Gesprächen eher versucht, sie vom Rauchen abzubringen - i.d.R. erfolglos. 

Begonnen hat meine Karriere erst nach einem erzwungenen Schulwechsel. Nachdem ich es mit Erfolg verhindern konnte, daß meine Eltern mich auf ein Eliteinternat in der Schweiz schickten (sie selbst waren derzeit in Afrika wohnhaft), bin ich, wie gewünscht, nahe bei Köln, in einem dem EKG in Bonn angeschlossenen Internat, untergekommen. Ich selbst wußte es nicht und meine Mutter wohl auch nicht, sonst hätte sie nicht zugestimmt: der Institution wurde nachgesagt, eine "Drogenhölle" zu sein. 

Ich erinnere mich noch genau, ich war gerade zarte 16, es war kalt, Spätherbst und wir waren natürlich gezwungen, dieser Aktivität unter freiem Himmel nachzugehen. Da waren Holli, Popeye, der so hieß, weil er vom rauchen dicke, rote Augen bekam, Kongo, er war ein Mischling und hatte einen ziemlichen Wust aus Haaren auf seinem Kopf, und ich. Ein Joint kreiste, geladen mit Haschisch, das meistens von Popeye besorgt wurde, denn er fuhr jedes Wochenende zu seinen Eltern nach Aachen und kannte dort einen Bäckerlehrling, der Brötchen auch über die Grenze nach Holland lieferte und mit anderen Dingen unter seinen Backwaren wieder zurückkam. Unsere Finger waren von der Kälte steif und der Atem kondensierte in dem Gebüsch, hinter dem wir uns nahe des Internates verbargen. Mehrmals war ich an der Reihe und inhalierte, was die Lungenflügel hergaben. Trotzdem passierte garnix - nur alle anderen waren lustig, kicherten und blödelten herum. 

So ging das fast ein halbes Jahr und erst kurz bevor ich zwangsweise diese gastliche Bildungsstätte verließ - ich wurde rausgeschmissen, weil ich angeblich Kilos von Haschisch verschoben hätte - begann das THC auf meine Synapsen Wirkung zu zeigen. Doch bevor ich Bonn endgültig hinter mir lasse, noch ein paar lustige Randbemerkungen: 

Als der Winter, es war ein kalter, endgültig Einzug hielt, wollten wir nicht mehr draußen rauchen. Ich hatte das Glück, ein Einzelzimmer unter dem Dach zu bewohnen - mein ehemaliger Zimmerkumpan war ausgezogen, weil ihm meine Gauloises-Raucherei zu viel war - und wir waren unterkühlt genug, es zu wagen: eine Wasserpfeife wurde rangeschafft und in der Regenrinne vor dem Fenster untergebracht. Der Schlauch zum Mundstück führte durch das kleine Röhrchen, das die alten Einglasfenster noch besaßen, um das an den Scheiben kondensierte Wasser nach draußen zu befördern. Dieserart konnten wir ohne verdachtserregende Geruchsentwicklung unser Pfeifchen genießen, der inhalierte Rauch wurde durch das auf Kipp stehende Fenster wieder ausgeblasen. Und es stand immer einer Schmiere, damit unser Erzieher Diesti, den wir in Biesti umgetauft hatten, uns nicht erwischen konnte, was auch nie geschehen ist. 

ich hatte mich entwickelt vom Kritiker, der immer anti war, es aber irgendwann mal wissen wollte, wogegen er eigentlich die ganze Zeit redete, über den Raucher, der nix davon hatte, zum Genießer diverser Haschsorten - Gras war derzeit so gut wie unbekannt. Diese neue Position ausnutzend habe ich mit Holli zusammen Schabernack mit denen getrieben, die noch unbeleckt waren: ein Zimmernachbar wollte es auch mal ausprobieren und wir bösen Bengel haben ihm schwarze Wasserfarbe angedreht. Ich erinnere mich noch, wie begeistert er war, als wir ihn nach einer Zeit fragten, wie es den gewesen sei: "ich habe zwei Sonnen gesehen und überhaupt waren da überall Lichter...". Wir waren ernsthaft kurz davor, auch mal Farbe zu rauchen, haben es aber sein lassen, weil es doch zu ekelig war. 

Der nächste Cannabis-Lebensabschnitt spielt in Tansania, Afrika. Wie schon erwähnt, lebten meine Eltern derzeit dort und ich war zu den Osterferien dort hingeflogen. Angekleidet mit Frack, so richtig mit Pinguinschwanz und ner fetten Hendrixplakette ging es mit dem Flieger ein paar tausend Kilometer südwärts. Aus relaxten Ferien wurde allerdings nix, denn schon bald holte mich die Realität in Form eines Briefes vom Leiter des EKG an meine Eltern ein. Sie mögen mich doch bitte direkt da behalten, denn in Bonn wäre ich nicht mehr willkommen. 

So war ich erst mal in Afrika gestrandet. Derzeit war das nix so schönes, weg von allen Kumpels, von der Freundin und vom alten Hanf. letzteres habe ich aber recht schnell geregelt gekriegt. ich hatte spitzgekriegt, daß es in Afrika etwas ähnliches wie Haschisch gab, Blätter, die man raucht. So fragte ich den Gärtner meiner Eltern, der etwas für mich arrangierte. Als der Tag gekommen war, habe ich mir das Moped von meinem Bruder geliehen und bin mit dem Meister der Pflanzen in ein Dorf gefahren und habe ein sehr gutes Geschäft gemacht: für eine alte Jeans habe ich eine ganze Einkaufstasche voller Ganja bekommen. 

Vor meinen Eltern habe ich das Kiffen übrigens nie versteckt, Vater meinte, das würde doch gar nix bringen, er hätte das selbst mal in Ägypten probiert und Mutter wollte dann mal bei mir mitrauchen, was geraume Zeit später auch tatsächlich realisiert wurde. Naja, so war es jedenfalls kein Problem, daß ich morgens zum Frühstück in meine Plastiktüte griff und mir eine Kanne Tee mit dem leckeren Inhalt aufbrühte. Was mich derzeit immer gewundert hat, war, daß mich das kaum antörnte, mittlerweile weiß ich natürlich, daß die THC Mokelüle nicht wasserlöslich sind und ich das Gras mehr oder weniger verschwendet habe. 

Durch besagten Brief aus Bonn erstreckte sich mein Aufenthalt in Tansania natürlich über die Ferien hinaus, aus ein paar Wochen wurden ein paar Monate, denn so schnell konnte keine Ersatzschule gefunden werden. Aber auch diese Zeit im "Exil", so empfand ich es jedenfalls damals, ging vorüber. Natürlich machte ich mir Gedanken, wie ich das äußerst günstige Kraut mit auf meine Heimreise nehmen konnte und kam auf grandiose Gedanken: der Schwanz und die Kragenteile meines Frackes erhielten ein Ganjapolster und ich öffnete das Zellophan von Zigarettenpackungen sehr vorsichtig, köpfte die Kippen und stopfte den so entstandenen Hohlraum mit dem grünen Kraut aus, bevor ich die heiße Ware wieder mit den Zigarettenstückchen krönte und in die Zellophanfolie zurücksteckte. Rückblickend denke ich mir, daß nur mein derzeit noch zartes Alter mich vor den Repressalien der Zollfahndung geschützt hat. 

Derart ausgerüstet kam ich in Köln an, wo ich erst mal die noch existierende elterliche Wohnung beziehen durfte. Cool, mit 16 eine sturmfreie Bude zu haben. Meine ganze Clique, ich inklusive, konnten derzeit allerdings den Wert von gutem afrikanischem Gras nicht schätzen, so daß ich begann, die Ware einzutauschen. Anlaufpunkt für den heißen Deal war eine Szenekneipe, die in der Nähe meiner Wohnung war, das Solitär, ein dunkles, im Souterrain eines Hauses gelegenes Loch, wo sich Massen von Langhaarigen rumdrückten. Am hintersten Tisch der Spelunke saß immer der Charly, seines Zeichens Hausdealer. Er war ein kleiner Typ mit glatten, langen und dunklen Haaren und er trug, egal was für ein Wetter war, immer einen dieser Schaffellmäntel, bei denen das Leder außen und das Fell innen war. Mit ihm tauschte ich das Gras im Verhältnis eins zu zwei zu seinen Gunsten gegen leckeres Haschisch ein. Überhaupt war er die Bezugsquelle feinster Sörtchen, das ging vom Schimmelafghanen, den man heutzutage nur noch vom Hörensagen kennt, bis hin zum Zero Zero. Mit letzterer Sorte habe ich eine bemerkenswerte Erfahrung hinter mir: Ein Freund, ich nenne ihn hier den Adligen und ich hatten vielleicht ein Viertel Gramm von diesem hellgelben Rauchzeug, die Menge reichte aber allemale aus, daß wir uns ungelogen nur noch auf allen Vieren bewegen konnten, während die Musik - Rolling Stones, Hendrix, Animals, Genesis, Bowie, Floyd... - aus den Lautsprechern von manipulierten Röhrenradios dröhnte. Wir haben die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit von Lachflashs geschüttelt genossen. 

Es war eine recht wilde Zeit, die wir in der Wohnung verbrachten. Da sie recht groß war, sind wechselnderweise immer mal wieder Freunde eingezogen und haben gemeinsam mit mir die diversen "Aufpasser", die meine Eltern beauftragt hatten, fertiggemacht. Man hat es uns auf jeden Fall ansehen können, daß wir nicht systemkonform waren, in der Schule die Lehrerschrecks, mein Vater wollte während seines Heimaturlaubes nicht mit mir auf die Straße gehen und Holli, der von Bonn nach Köln übergesiedelt war und ich sind eines Tages auf der Straße von einem Typen stinknormalem Durchschnittsaussehens angesprochen worden: "Jungs, raucht nicht so viel Wasserpfeife, das macht nur das Hirn kaputt", sagte er aus heiterem Himmel und ging dann einfach weiter. Obwohl bei uns eigentlich mehr die stinknormale Tabakpfeife kreiste, hatte der Typ nicht ganz unrecht, denn irgendwer hatte eine orientalische Hookah mit mehreren Schläuchen besorgt und in meiner Wohnung deponiert. Kaputtgegangen ist allerdings nicht das Hirn eines Konsumenten, sondern irgendwann das Rauchgerät selbst, beim Versuch es mit Spülie einer Grundreinigung zu unterziehen, ist es mir aus der Hand geglitscht und auf dem Boden in die sprichwörtlichen 1000 Stücke zersprungen. 

Es war die Zeit, da ist man für nen Zehner oder Zwanni losgezogen. Ich hatte dafür mehrere Anlaufadressen, ein Typ namens Severin wohnte in einem halbzerfallenen, aber trotz alledem recht stattlichen Haus in Köln Ehrenfeld. Er hatte ein Zimmer auf einem langen Gang gemietet, die Fenster des Raumes waren immer verdunkelt, Licht spendeten Kerzen und er hatte eine Freundin, deren Haut bleich wie Milch war. Hatte er nix, gab es eine weitere Adresse in Ehrenfeld, quasi auf dem Rückweg, im Schatten des Herkules-Hochhauses. Dort wohnte Eddy zusammen mit einem Freund und einem Mädel, die die Freundin von einem der beiden war. Er war allerdings nur die zweite Wahl, sein Dope war teurer und nicht so gut. Auf diese Weise hatte immer einer von uns ein kleines Piece, mit dem wir unsere Pfeife befeuern konnten. Nach dem Abklingen des ersten High und dem Konsum einiger Schallplatten hielt uns allerdings nichts mehr in den heimischen vier Wänden. 

Man traf sich an diversen Punkten. Da war die Domplatte, die schon damals von Skatern, Gauklern, Malern etc. belebt wurde. Und von Gruppen Jugendlicher, die sich auf den Treppen der Nordseite des Kölner Doms - heute abgezäunt -  in Grüppchen niedergelassen hatten, um billigen Wein und Bier zu saufen und in etwas versteckten Nischen einen zu rauchen. Dort habe ich eines Tages Knuffi zwischen Kotz- und Rotweinlachen kennengelernt, einen Typen, der mein Leben über 20 Jahre lang besonders bzgl. des Drogenkonsums  begleitet hat. Ein anderer Treffpunkt war eine kirchliche Teestube in Köln Junkersdorf, einer feinen Gegend, und ich habe mich schon immer gefragt, warum dort solch eine subversive Einrichtung überhaupt geguldet wurde. Dort saß man bei seinem parfümierten Tee, traf wiederum andere Leute, als auf der Domplatte und bereitete schon mal das Rauchgerät vor, das dann bei einem Spaziergang zwischen  den Tees zum qualmen gebracht wurde. Ortswechsel: im Kölner Stadtwald gibt es eine recht große Wiese, die von großen Bäumen umgeben ist und eine recht einladende Atmosphäre ausstrahlt. An diesem grünen Fleckchen trafen sich immer wieder Gruppen zum abhängen, Gitarre- und Bongo spielen und natürlich zum rauchen. Der unangenehmste Ort, der aber wiederum gerade wegen seiner Marodität eine Anziehungskraft besaß, war das Studentenviertel nahe des Zülpicher Platzes rund um die Kyffhäuser Straße. Hier hingen die kaputtesten Typen rum, Alkies, Junkies, Abzieher, stadtbekannte Schwuchteln, die kleine Jungen angruben...Aber dort waren eben das Rasusch, das C & M, das Podium, der Stiefel und andere Schuppen, in denen wir gerne rumhingen und auch nicht nach unserem Alter gefragt wurden. 

Mädchen? Auf dieses Thema muß ich ja auch noch eingehen. Ja, Mädels waren auch immer dabei, allerdings meistens weniger als Typen und je kaputter die Szene desto rarer wurden sie. Ich war auch nicht gerade der Mittelpunkt aller Weiber, sondern hatte meine Freundin Su, die natürlich auch kiffte, sogar recht kräftig. Ansonsten waren da schon ein paar Frauen in unserer Clique und an den beschriebenen Treffpunkten sah man wieder andere. Die Zeit, in der es mit Mädchen etwas wilder wurde, sollte erst noch kommen: 

Es war ein Sommer in den Endsiebzigern und meine Eltern hatten mich für vier Wochen nach Paris geschickt, um mich in einem Französischkurs auf meine neue Schule, ein Buschinternat auf Madagaskar, vorzubereiten. Naja, französisch habe ich gelernt, allerdings weniger während des Kurses, den ich als langweilig empfand, sondern auf der Straße. Wer Paris kennt, weiß, wie faszinierend das Leben auf den Plätzen und den Straßen der Metropole ist. Für mich war es hauptsächlich der Place Baubourg vor dem Centre Pompidou, der es mir angetan hatte. Dort hingen ganze Horden Jugendlicher aus allen Herren Ländern rum und kifften und soffen, was die Körper vertrugen - oder auch nicht. Ich traf eine alte Bekannte wieder, in Frankreich "herbe" genannt, das gute alte Gras, und rauchte zum ersten Mal Öl, eine Erfahrung, die mich erst mal für ein paar Stunden auf das Kopfsteinpflaster des Platzes drückte, allerdings keine unangenehme Erfahrung, weil die Leute aufeinander aufpaßten und dem Auge mit den ganzen Zauberkünstlern, Feuerspuckern, Fakiren, Jongleuren usw. genug Reize geboten wurden, um nicht nach innen zu schielen und das Unwohlsein zu erspähen. Die Klänge der Straßenmusikanten produzierten den zu dem ablaufenden Film passenden Sountrack direkt auf die Horchlöffel. Und die Mädels eben. Da waren Thebo aus Portugal, Lala aus Madagaskar, Corinne aus Paris und Konstanze aus Deutschland. Insgesamt war das Leben so wild, daß ich schon nach ein paar tagen aus dem Zimmer meiner Gastfamilie rausgeflogen bin und Unterkunft bei Jean-Paul in seinem kleinen Mansardenzimmer fand. Und weil der tagsüber arbeitete, hatte ich zeitweise sein großes französisches Bett zur ungestörten Verfügung... Dieses Kapitel abschließend sei noch gesagt, daß es mit dem Buschinternat nie etwas wurde. Ich habe meiner Mutter die Pistole auf die Brust gesetzt, entweder ich könne in Köln zur Schule gehen oder ich würde in Paris bleiben, denn ein Dach über dem Kopf und viel Spaß hatte ich ja schon. 

Der Verbleib in der Heimat war gerettet, also konnte ich furchtlos wieder nach Köln zurückkommen. Dort angekommen setzte ich meine Freundin Su in Erstaunen, ich hätte mich in den paar Wochen Paris drastisch verändert. Wen wundert's, ich habe die Süße junger Frauenkörper kennengelernt und konnte mit ihrer etwas sehr zurückhaltenden Art nicht mehr so viel anfangen. Konsequenterweise war es auch bald mit unserer Beziehung vorbei. Bei mir war es, als wäre ein Hebel umgelegt worden, vorher hatte ich kein besonders großes Interesse an Weibern und dann, nachdem ich die Düfte der Muschis kennengelernt hatte, lechzte ich ihnen hinterher. Wie man ein Mädel erst aufmerksam machte, dann bearbeitete und schließlich die süße Frucht zwischen ihren Beinen ernten konnte, hatte ich ja in Paris gelernt und mehrfach erfolgreich ausprobiert. In Köln war mein Hauptwirkungskreis die Domplatte. Nach wie vor trafen wir uns dort zum kiffen und saufen und langsam, aber sicher kam Aspekt Nr. 3 - Weiber - dazu. Meine eigene Wohnung machte die Sache für mich natürlich extrem einfach und so kam es, daß ich im Bett recht ausgelastet war. Hatte das Mädel erst mal meine Türschwelle überschritten und die Tür war geschlossen, war sie reif...

Neben der Domplatte hatten wir ein weiteres Hauptquartier im Zülpicher Viertel, das war eine Couch, die in der sehr gemütlichen Kneipe namens Claudia und Marita stand. Dort haben wir unzählige Male gesessen, Joints geraucht, Leute getroffen und Musik gehört. Mein Freund Knuf war derzeit eine Art Schatten von mir, wir waren die meiste Zeit ziemlich unzertrennlich. Ich kann mich noch an den Abend erinnern, an dem die zwei Betreiberinnen der Kneipe, nämlich Claudia und Marita, zu besoffen waren, um zu arbeiten, so daß Knuf und ich kurzerhand einsprungen und "halfen". Ich glaube, an jenem Abend zapfte mein Kumpel die größte Menge Freibier der Kneipenhistorie. Ich betätigte mich an den Plattentellern und bin sicher, daß dieses Erlebnis noch lange in den Hörgängen der Besucher nachhallte. Daneben gab es natürlich weitere Kneipen, die wir besuchten, mit mehr oder weniger angenehmen Erinnerungen, vom Tanzrausch im Rasusch oder La Lic bis hin zu warmen Annäherungsversuchen eines schon derzeit ekelhaften Lokalmatadoren namens Zeltinger in einem Schuppen, dessen Namen mir entfallen ist. 

In diese Zeit fällt auch ein weitere Umzug von mir. Meine Eltern kehrten auf Heimaturlaub aus Afrika zurück und brauchten die Wohnung. Natürlich wäre da auch noch genug Platz für einen kleinen Kiffer gewesen, aber als mein Herr Papa auf dem kleinen Balkon meine Blumenkästen mit sorgsam gepflegten Graspflanzen sah, beendete er deren Leben mit einem Ruck, indem er erst die Wurzelballen der Gewächse und anschließend auch mich an die frische Luft beförderte. Dieses Mal ging es nach Köln Nippes, wo mir ein Freund meiner Eltern sein Atelier zu wohnen zur Verfügung stellte. Es war nur ein kleiner Raum von vielleicht 12 qm, einem kleinen Vorraum mit Waschbecken und Kochplatte und einer Klokabine, bei der man Wasser noch per Eimer nachschütten mußte. Das war zwar echt der tiefste Sumpf, aber ich und meine Kumpel und auch eine Anzahl von Mädels fühlten sich trotzdem wohl. 

Meinen besten Freund lernte ich auch zu diesem Zeitpunkt kennen: Wir waren mal wieder auf der Suche nach etwas rauchbarem und bekamen den Tipp, mal in die Innenstadt zu gehen und einen bestimmten Typen aufzusuchen. Gesagt, getan, wir kontaktierten ihn und er hatte etwas für uns. Ganz subversiv lief das derzeit ab, wir durften nicht in die Wohnung kommen, da hatte die Freundin etwas dagegen, also trafen wir uns im Parkhaus von Karstadt zur Übergabe der Ware. Offensichtlich waren wir der Keule, so sein Spitzname, aber so sympathisch, so daß wir die nächsten Male aus dem Untergrund aufsteigen und ihn in seiner Wohnung treffen durften. Darus entwickelte sich eine nette Angewohnheit, immer öfter legten wir vor unseren Gängen auf die Szene eine Station bei ihm ein und setzten dort erst mal seinen alten Syffkocher, eine recht oft gebrauchte Tabakpfeife, unter Feuer. Manchmal haben wir dort ziemlich skurrile Dinge getrieben: eines Abends war die Keule nicht da, aber die Freundin, die sich mit der Zeit an uns gewöhnt hatte, saß mit uns zusammen und wir hatten alle Schmacht. Die Bröseldose der Keule war nicht aufzufinden, da sie mal wieder gut versteckt war, also sind wir in unserer Not hingegangen und haben Hanfsamen zestoßen und den besagten Syffkocher damit gefüllt. Nicht nur daß es tierisch gestunken und gequalmt hat, unsere Köpfe waren danach überhaupt nicht high, sondern klagten eher über einen gewissen unnomalen und unangenehmen Druck auf dem Hirn. Auch an einen anderen Tag kann ich mich noch gut erinnern, Knuffi und ich saßen in meinem Wohnatelier und kochten uns einen Tee aus einem recht dunklen Hasch. Bis heute bekomme ich halb ernst, halb spaßig von ihm vorgeworfen, daß ich ihn an dem Tag völlig überdosiert hätte. Jedenfalls war die an den Tee anschließende Fahrt per U-Bahn in die Stadt für ihn wohl ein recht traumatisches Erlebnis, er fühlte sich wie in einem riesigen Wurm durch ein Horrorkabinett Achterbahn fahrend, ich weiß noch, wie er sich mit weit aufgerissenen Augen an der Stange des Vorsitzes festklammerte und es nicht fassen konnte, was um ihn herum ablief. Mir ging es übrigens gut, Knuffi hatte einfach das Problem, daß er sich zwar regelmäßig literweise billigen Aldi-Fusel (Cherry und solch klebriges Zeug) reinkippen konnte, aber THC offensichtlich nur in geringen Mengen vertragen hat, sozusagen eine starke Leber zulasten schwachen Synapsen. 

Meine letzten zwei Jahre vor dem Abitur absolvierte ich auf einer Gesamtschule im Kölner Süden. Dort waren von den Jungs ca. 80 Prozent Kiffer, die Mädels hielten sich ein wenig mehr zrück. In vielen Pausen gingen wir irgendwo auf die angrenzenden Felder und haben uns gut einen durchgezogen, um den Unterricht ein wenig besser ertragen zu können. Das blieb den Paukern natürlich nicht verborgen und es folgten entsprechend pädagogische Gespräche mit mir. Komischerweise konnte ich die Herrschaften aber überzeugen, daß mein Hanfkonsum, den ich offen zugegeben hatte, nicht zu einer gravierenden Beeinträchtigung meiner Lestung geführt hat. Also wurde ich in Ruhe gelassen und konnte dort auf der Penne mit bekifftem Kopf mein Abi schreiben, das ich mit einem Durchschnitt von 2.3 garnicht so schlecht absolviert habe. 

Während meiner zwei Schuljahre dort lernte ich natürlich neue Leute kennen, ein paar sind mir da ganz gut in Erinnerung geblieben: Trimmi der Sciroccofahrer, Manni, der autistische Reggaefan, Hilli der Flippige, Ines die Erhabene und Bayer, der in einer umgebauten Garage in der Nähe der Schule wohnte. Trimmi holte mich, Ines und Bayer öfter in seinem Auto von der Schule ab. Meist saßen Manni und Hilli schon auf dem Rücksitz und Mannis basslastiger Sound von Capital Letters, Marley, Spear oder Tosh dröhnte aus den Subwoofern des tiefergelegten Flitzers. Dazu wurden wir meist mit einem schon brennenden Joint erwartet, in dem sich nach wie vor in der Regel Hasch befand, nur ab und zu fand auch mal ein edles Rauchkraut aus Afrika, Asien oder der Karibik seinen Weg zu uns. Neben dem Reggae, den Manni hauptsächlich aus einem Club aus Wesseling, den ein gewisser Robbie eröffnet hatte, bezog, waren natürlich auch Nina Hagen und Spliff Radio Show, sowie die ganzen folgenden Neue-Deutsche-Welle-Songs insbesondere jene, die sich textlich ums Kiffen drehen, angesagt. Kaum etwas kam cooler, als African Reggae von Nina Hagen, obwohl Marleys Babylon By Bus und Toshs Bush Doctor natürlich die absoluten Standards waren. 

Was ich in diesem Zusammenhang vielleicht noch erwähnen sollte, da es mit Cannabis schon in einer engen Beziehung steht, ist Folgendes: als ich endlich volljährig wurde bekam ich ein Erbe von 5000 DM von meiner Oma mütterlicherseits ausgezahlt. Nein, ich habe die Kohle nicht direkt dazu verwendet, plattenweise Hasch zu kaufen, aber 2000 DM gingen für eine vorzügliche Stereoanlage drauf. Damit hatten die alten und strapazierten Röhrenradios und aus Resten zusammengestezten Boxen ausgedient, es war der Einzug des Hi Fi Sounds mit Lautsprechern so groß wie Kühlschränke. Überhaupt war Musik schon immer eine wichtige Ergänzung zum Kiffen für mich. Ich habe über die Jahre unendlich viel Kohle zu Saturn und Co geschleppt, um dort wieder und wieder neue Musik auf Vinylscheiben zu erwerben. 

Vom Atelierkabuff aus bin ich nach Köln Ehrenfeld gezogen und habe mit einem Freund eine WG gegründet. Natürlich drehte sich vieles um Hanf und ich erinnere mich noch, daß ich dort weitere Fensterbankversuche mit Cannabis machte. Weil die Wohnung im Erdgeschoß lag, hatte ich im recht düsteren Hinterhof ein System von Spiegeln, die ich im Sperrmüll gefunden hatte, installiert und lenkte so Sonnenlicht in mein Fenster. Überhaupt haben wir dort recht crazy Sachen gemacht, von einer Party im Kohlenkeller über Weihnachtsparties, die wir unter einem in einem Bierkasten verankerten und entnadelten Baum vom Vorjahr feierten bis hin zu meiner Angewohnheit, schon abends eine fertig gestopfte Pfeife mit aufs Hochbett zu nehmen, um sie am nächsten Morgen direkt mit der Freundin einzufahren, etwas zu bumsen und wieder zu schlafen. Überhaupt hatte ich mir vogenommen, nach der Schule eine "Auszeit" zu nehmen, mich an den Schreibtisch zu setzen und nachzudenken, was als nächstes kommt. Was sich dabei auf jeden Fall entwickelte war die Kunst. Ich setzte mich hin und malte ein Bild nach dem anderen. Diese Beschäftigung hielt ich aktiv bis in die Neunziger Jahre bei und auch heute zeichne ich gerne und könnte mir das wiederaufnehmen der Kunst ohne Probleme vorstellen, diese Art der Kreativität hat sich als eine nette Begleiterscheinung des Kiffens entwickelt. 

Um diese Zeit habe ich auch meine ersten Outdoorpflanzen entdeckt. Auf der Such nach Ruhe, Ungestörtheit und einem schönen Fleckchen streifte ich recht oft durch ein an meine Schule angrenzendes Waldgebite und fand eines Tages tatsächlich mehrere ca. einen Meter hohe Pflänzchen, die ich natürlich unverschämterweise direkt aberntete. Das Ergebnis war auf jeden Fall rauchenswerter, als alles, was ich bisher selbst gezogen hatte und diese Erfahrung blieb als eine permanente Erinnerung in meinen Synaspsen abgespeichert. Denn ein in unseren Breiten gezogenes Gras, das erstens turnte und zweitens auch noch einigermaßen schmeckte, war eigentlich unbekannt. Die Holländer waren derzeit mit ihrer Kreuzerei und Züchterei noch nicht so weit, wie heute, wo man Saatgut für jede nur vorstellbare Bedingung bekommt.

In diese letzten Schultage vor dem Abi fiel auch der erste Fauxpas: Ich habe mich erwischen lassen. Es war bei einem Rockpalast in Dortmund oder Essen, welche Bands es waren, weiß ich nicht mehr so genau, weil ich auf mehreren dieser derzeitig als sehr kultig angesehenen Veranstaltungen war. Jedenfalls waren Achim, ein Kumpel aus der Schule und meine derzeitige Freundin Mona, diejenige, mit der ich schon immer morgens auf dem Hochbett die Pfeifen geschmaucht hatte mit mir dort und wir standen mitten in der Menge vor den geschlossenen Toren der Veranstaltungshalle. Naja und weil es so aussah, als ob der Einlaß noch etwas auf sich warten ließe, dachten wir uns, die Zeit mit einem netten Pfeifchen zu verkürzen. Mitten in der Menge und mit der hereinbrechenden Dunkelheit fühlten wir uns sicher genug. Doch es kam anders. Ich hatte das Feuer noch nicht unter das Piece gehalten, da hörten wir von allen Seiten: "Polizei, nichts fallenlassen". Natürlich habe ich alles fallen lassen, was nur ging, aber den Brösel in Alupapier habense gefunden. Seitdem habe ich diese zugegebenerweise ideale, weil aromaschützende Metallfolie nie wieder zum verpacken benutzt. Es folgte ein Verhör und ich habe derzeit ganz gentlemanlike alles auf mich genommen, weil Mona noch nicht einmal volljährig war. Dann wurden von den Uniformierten noch ein paar nette Erinnerungspolaroids unserer jugendlichen Gesichter geschossen und wir durften nach ca. 2 Stunden zum Konzert gehen. Der dicke Hammer kam erst später, als ich dann in einer Gerichtsverhandlung für den lächerlichen Pickel zu einer Geldstrafe von mehreren Hundert Mark verurteilt wurde. 

Mein erster längerer Urlaub nach der Schule führte mich mit Mona per Zug quer durch den südlichen Teil Westeuropas bis runter an die portugiesische Algaveküste. Die ersten Begegnungen mit dem international herb hatten wir beim Umsteigen in die Fähre über den Tejo in Lissabon. Überall auf der Straße wurden einem diverse Sorten angeboten, aber wir hatten zu großen Schiß vor getarnten Bullen und haben nicht zugegriffen. Erst im Zug durch Südportugal, als wir von einem offensichtlich mehr Vertrauen erweckenden Deutschen etwas angeboten bekamen, deckten wir uns ein. Man merkte die Nähe zu Marokko sofort: das Hasch war frischer, duftender und um einiges stärker als das auf dem langen Weg nach Teutonien immer weiter gestreckte Zeug. An der Algaveküste entdeckten wir alsbald eine kleine Bucht, die man von der Straße nur zu Fuß erreichen konnte, in der sich nix befand, als ein kleines Büdchen, in dem man etwas essen konnte und einer Menge campender Freaks. Wir haben uns dazu gesellt und schon bald netten Kontakt zu einer Clique aus Bremen und Umgebung gehabt. Manne, eines der Nordlichter, verstand es gut, aus großen Plastikwasserflaschen tierisch durchschlagende Wasserpfeifen zu bauen und einigen ist es passiert, daß sie nach einem Zug erst mal mit dem Rücken in den Sand fielen.

Die Auszeit nach der Schule fand in Köln ein apruptes Ende, als ich nach diversen Weigerungsversuchen mit einem grün-weißen Taxi frühmorgens zur Musterung abgeholt wurde. Die netten Chauffeure in Uniform hatten übrigens das Polaroidfoto bei sich, welches netterweise von ihren Kollegen eine Zeit zuvor bei der Affäre vor dem Rockpalastkonzert geschossen wurde. Trotz aller Bemühungen wurde ich für wehrtauglich (welch ein Wort) befunden. Natürlich habe ich verweigert und so kam es, daß ich bald darauf meine Ehrenfelder Wohnung verließ, um in Bad Münstereifel, einem Kaff ca 70 km von Köln entfernt, in einer Bildungsstätte meinen Zivildienst antreten mußte. Aber meine Wochenenden verbrachte ich bei diversen Kölner Freunden und für ein High war eigentlich immer gesorgt. Das war auch die Zeit, in der ich mit einem Freund, Mario, die Bob Marley Scheibe Kaya rauf und runter gehört habe. Sie ist mir bis heute noch in bester Erinnerung und ich genieße den Sound nach wie vor. In M'eifel wurde es aber erst interessant, als ein neuer Zivikollege eintraf, Heintje aus Würselen bei Aachen. Ja, die Grenznähe zu Holland war bzgl. guten Dopes zu der Zeit noch sehr wichtig. Jedenfalls haben wir uns derzeit viele gute Geräte geraucht und ich konnte mich bei den Kölner Kumpels mal revanchieren und ihnen ein paar gute Highs bescheren. 

Und weil mich der Zivi in dem Eifelkaff ziemlich unhigh machte, habe ich einen Versetzungsantrag zu einer Zivistelle in Köln gestellt. Das sollte aber nicht sein und das Bundesamt für den Zivildienst wollte mich nach München verfrachten. Muß man sich mal vorstellen, derzeit als Kiffer in den blauweissen Machtbereich eines Franz-Josef Strauss. Das habe ich auch nicht mitgemacht und bin lange "krank" geworden. So lange, bis man mir eine Stelle in Köln bewilligte, in der ich meine Restzeit absolvierte. Unterdessen hatte ich in der Rheinmetropole schon wieder Fuß gefaßt und mich in dem Haus der Mutter eines Freundes eingemietet. Das war zwar nur ein kleiner Mansardenraum mit Klo und Waschbecken auf dem Flur, aber immer noch besser, als in der Hauptstadt von Weißbier und -wurst. Es war mein erstes rechtsrheinisches Domizil, genauer in Köln Mülheim und ich konnte aus meinem Fenster einen guten Blick in die schon immer mit ihrem schlechten Ruf lebende Keupstraße werfen. 

Der besagte Freund, Lazarus und ich liebten eins, nämlich gut einen rauchen und dann schön entspannt Musik hören. Er war bestens dafür gerüstet, hatte nicht nur eine erstklassige Anlage mit jeder Menge Spielereien, sondern kannte sich auch in der Musik aus und noch heute höre ich einigen Sound, den ich durch ihn kennengelernt habe, bspw. Tommy Bolin oder Robert Plant. Das Haus hatte einen recht verkommenen Hinterhof, der von niemandem genutzt wurde und weil ich wußte, daß von den Nachbarn niemand Interesse an irgendwelchen Kontakten mit den Ordnungshütern hatte, traute ich mich, mal wieder ein paar Versuche mit Selbstgezogenem zu starten. Das war aber nix, sah zwar schön aus, aber seinen Endzweck erfüllte das Kraut in keiner Weise. 

Diese Tage tat ich auch den nächsten großen Schritt in meinem Leben und begann 1984 mein Studium an der Uni Köln: mit den Fächern Afrikanistik, Völkerkunde und Politik. 

In diese Zeit fielen auch meine ersten Besuche von Coffeeshops im benachbarten Holland. In dieser Beziehung war ich ein relativer Spätzünder, Freunde erzählten immer davon, wie toll es doch sei, die Sorten aus eine Menükarte zu wählen, von der lockeren Atmosphäre in Holland, überall einen rauchen zu können, ohne immer paranoid hinter sich blicken zu müssen, von der Vielfalt und Qualität und den günstigen Preisen des Cannabis, das man dort kaufen konnte. Naja, das wollte ich mir natürlich irgendwann auch mal anschauen. Wir sind meist nach Maastricht gefahren, manchmal auch nach Venlo und ab und zu gab es einen längeren Ausflug an die Nordsee. Und ja, die Qualität war gut, die Vielfalt überwältigend, aber so richtig frei habe ich mich auch da nicht gefühlt und spätestens an der deutschen Grenze, die damals für Leute, wie uns fast der Zonengrenze nach Ostdeutschland glich, war alle Freiheit schnell wieder verflogen. Genauso schnell, wie das letzte "frei" in Holland erworbene High, wenn die Grenzschützer unser Fahrzeug aus der Schlange winkten und mehr oder weniger intensive Untersuchungen von Hohlräumen, Taschen und manchmal auch Körperöffnungen begannen. Aber in der Beziehung waren wir schlau genug und es gab nie Ärger.

Ich tat den nächsten großen Schritt in meinem Leben und begann 1984 mein Studium an der Uni Köln: Afrikanistik, Völkerkunde und Politik. Afrikanistik, weil ich in Äthiopien und Tansania ja schon erste Erfahrungen mit dem Kontinent gemacht hatte und nicht zuletzt, weil die Leute auf dem Kontinent das gute Kraut lieben und ich hoffte, vielleicht mehr daüber zu erfahren. Völkerkunde, weil ich die derzeitige in Völkerkundemuseum angesiedelte Ausstellung "Rausch und Realität - Drogen im Kulturvergleich" sehr inspirierend fand und Politik, weil man drei Fächer wählen mußte. Eins fand ich schnell heraus: viele der lieben Mitstudenten und -innen liebten das Kraut mindestens so innig, wie ich. 

Aber der Reihe nach. Von Köln Mülheim zog ich um in den Kölner Süden, nach Bayenthal. Dort wohnte ich im selben Häuserblock, wie der schon früher erwähnte Freund Marco. Oft trafen wir uns auf einen guten Espresso und eine leckere Tüte oder Pfeife. Leider hielt das nicht lange vor. Er verfiel dem weißen Pulver, das man sich mit einer Spritze in die Venen jagt und wurde sehr typisch suchtbezogen, mit Abziehereien und seinem letztendlichen Verschwinden nach Italien, seiner Heimat. Seitdem habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Ähnlich erging es leider einem Kollegen von der Uni, mit dem ich oft zusammen geraucht habe. Irgendwann hat er sein Studium abgebrochen und ein paar Besuche in seinem Domizil in einem Duisburger Malocherviertel kamen so düster und junkiehaft, daß ich mich schnell zurückgezogen habe. Über ihn kann man allerdings eine gute Nachricht verkünden, er hat eine erfolgreiche Entziehungskur hinter sich, hat dann Schreiner gelernt und baut jetzt Möbel irgendwo am Bodensee. Die anderen Mitstudenten blieben glücklicherweise bei dem Kraut und hatten nur selten mal Kontakt zu irgendwelchen Pulvern. Zum Kiffen hörte man die Reggaeklassiker und auch ein paar neuere Interpreten des Genres, auch wenn die Endachtziger nicht gerade die Hochzeit für guten karibischen Sound waren. Dazu kamen afrikanische Interpreten, wei Fela Kuti, Toure Kunda oder Thomas Mapfumo. 

Inhaltlich hatte das Studium leider doch recht wenig mit Ganja zu tun. Ab und an gab es mal ein Highlight, wenn über hanfkonsumierende afrikanische Kulturen berichtet wurde. Gab es dazu Referatthemen, habe ich mich natürlich hungrig draufgestürzt und ich weiß noch, daß mein Beitrag über den Hanfkult der Bena Riamba, einem Volk im Südwestkongo [den Bericht kann man hier lesen], für den Prof ein ziemlicher Schocker war. 

Ich bekam selbst einen Schock an dem Tag, als ich mal wieder umzog und die letzte Tour mit meinem Fahrrad zwischen alter Wohnung in Bayenthal und dem neuen Domizil in Köln Klettenberg per Fahrrad zurücklegte. An meinem Lenker baumelte eine Tasche mit dieversen Umzugsresten, u.A. eine Axt, die man ja manchmal im Großstadtdschungel braucht. Auf halber Strecke hielt ich an einer Telefonzelle, um jemanden anzurufen. Diese öffentliche Fernsprecheinrichtung war nicht in der sozial angesehensten Positions der Stadt angesiedelt und ich hatte schon ein mulmiges Gefühl im Bauch, als ich plötzlich zwei Gestalten, Mitte Dreißig, recht ungepflegt und scheinbar die Zelle belagernd, entdeckte. Ich dachte mir, das sind Asis und es gibt hoffentlich keinen Ärger, wenn ich den zu Kommunikationszwecken abgetrennten, gelb gestrichenen Quadratmeter verlasse. 

Ärger gab es, aber aus einer ganz anderen Richtung. Die Asis stellten sich nämlich als Zivilbullen heraus, die mich im Visier hatten. Auf meine Frage, warum sie mich überprüfen wollten, meinten sie, daß ich eine Axt bei mir hätte und daß in letzter Zeit so viele Telefonzellen demoliert würden. Naja, logisches Bullendenken im babylonischen Betonurwald, denn die Axt war schließlich in der Tasche am Fahrrad und ich nutzte die Fernsprecheinrichtung ausschließlich zweckbestimmt ohne jedes Anzeichen von Gewalt. Aber einer Durchsuchung konnte ich nicht mehr entgehen, wenn ein Bulle einmal programmiert ist, erfüllt er roboterhaft seine Aufgabe bis hin zum Finale. Und ich machte mir bei der Aktion keine großen Gedanken, denn ich fühlte keine Schuld in mir, nichts Belastendes an mir. Tja, das war ein Trugschluß; als plötzlich einer der in der Tasche buddelnden Bullen eine Fotodose in der Hand hielt, sie öffnete und seinem Kollegen triumpfierend ein Stückchen Hasch zeigte, was ich länger schon vergessen hatte, wurde es mir bewußt. Daran riechend und es knetend philosophierten die beiden Ordnungshüter, was das denn wohl sei, Hasch oder Heroin? Ehrlich, im Ernst und ich schwöre, so dämlich waren die. In einem Anflug von Großmut klärte ich sie über den pflanzlichen Ursprung dieser in ihren Augen illegalen Substanz auf und durfte sie dann zum Dank für meine Ausführungen und natürlich für den Besitz des fokussierten Objektes zur nächsten Wache begleiten, um dort die übliche Prozedur mit Erkennungsdienstlicher Behandlung, Aussage etc. über mich ergehen zu lassen. Das erstaunlichste an dieser Sache war die Post, die ich ein paar Wochen später vom Staatsanwalt bekam. Die Menge der Substanz war um mehr als die Hälfte geschrumpft. Wo war der Rest geblieben? Haben sich Cannabismoleküle ihren Weg zu Bullensynapsen gebahnt? Haben sie Hasch gefixt? Ich weiß es nicht. Der schöne Teil des Briefes war der Abschluß. Die Ermittlungen waren wegen Geringfügigkeit eingestellt worden, vielleicht haben mir die Ordnungshüter mit ihrem abgezwackten High sogar noch einen guten Dienst erwiesen. 

Gut, nach dieser ungewollten Unterbrechung konnte ich mich ungestört in meinen neuen vier Wänden einleben. Das war übrigens eine WG, ich teilte die Wohnung mit einem Pärchen. Cannabismäßig ist hierbei nur der Typ, Rescher, erwähnenswert, der zu der Zeit dem typischen Kifferklischee entsprach: mager, bleich, immer bis mittags schlafend, dreckige Bude, arbeitslos und faul, dabei aber ein Musikenthusiast ohne Ende. Sich selbst einschätzend meinte er einmal: "Auch wenn ich nix kann, eins kann ich und das ist hacken." Damit meinte er nicht die damals noch unpopuläre Zerstörung iergendwelcher Computersicherheitseinrichtungen, sondern das zerkleinern von Brösel und Tabak auf seinem Hozbrett mittels eines gebogenen Kräutermessers, das er wirklich bis ins höchste Stakkato beherrschte. Na, und dann rein in mit der Mischung in den verschmierten Glasbong und gib ihm...

Ganja wird von Rasta nicht unbegründet das "international herb" genannt. Überall, wohin mich meine Reisen führten, habe ich Hanfraucher kennengelernt oder wenigstens den angenehmen Duft des Rauches hier und da in meiner Nase gespürt. Aber im Einzelnen: 

1986 ging es mit meiner Freundin Tülü in die Türkei. Wir haben den Trip per Bus gemacht, 3 Tage quer durch das südöstliche Europa, bis wir dann irgendwann total erschöpft Istanbul erreicht haben. Beeindruckt vom Midnight Express und wohlwissend ob der Bedingungen in türkischen Knästen, habe ich mich gehütet, auch nur einen Pfitzel guten Hanfes einstecken zu haben, ich hatte mich auf ein paar Wochen Abstinenz eingestellt. Von Istanbul aus reisten wir an die Küste des Schwarzen Meeres und landeten auf dem Campingplatz von Akcacoja, einem kleinen, unbekannten Kaff, umgeben von Haselnußplantagen, sowie von Platanen- und Pinienwäldern. Auf dem Campingplatz waren wir fast die einzigen Gäste und kamen daher sehr schnell in Kontakt mit Ali und Ibrahim, den beiden Jungs, die sich um die Ordnung und Sauberkeit der Einrichtung kümmerten. Na und beide waren Kiffer mit einer recht hohen Frequenzquote. So kam ich recht schnell in den Genuss türkischen Grases, das ebenso gut war, wie der "grüne Türke", dieser platte, nur 1 mm dick gepreßte, sehr biegsame Stoff, den man in den Siebziger Jahren in Köln noch zu kaufen bekam und der dann aus irgendwelchen Gründen von der Bildfläche verschwand. Das war eine echt schöne Zeit, breit am Strand sitzend und den Sonnenuntergang genießend. Nur einmal war es nicht so schön, nämlich, als Ali und Ibrahim auch noch eine Flasche Raki (hochprozentigen Anisschnaps) anschleppten und mich abfüllten, wahrscheinlich um ungestört meine Freundin Tülü anbaggern zu können. Naja, sie konnte für sich selbst sorgen und ich hatte am nächsten Tag ein wenig zu kämpfen, aber jeder Kater geht irgendwann mal vorüber. Von dort aus sind wir dann weiter an der Küste gen Osten gefahren. Oft konnte man Hanf einfach am Straßenrand stehen sehen, wild wachsend und in voller Pracht, Ich habe mir auch hier und da mal nen paar Blätter abgeknipst, aber das Ergebnis war, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht so berauschend. Das  beeindruckendste Symbol der Präsenz von Cannabis war jedoch eine ca. zwei Meter hohe Pflanze, die mitten auf dem Dorfplatz eines kleinen Örtchens am Mittelmeer wuchs. Nach unserer Rundreise durch das Land sind wir auf jeden Fall noch mal nach Akcacoja zurückgekehrt, um uns vor der langen Busreise zurück nach Köln noch etwas zu entspannen. Ja, das war es aus der Türkei.

Viele Beziehungen gehen einmal zu Ende und so war es auch bei mir, Tülü ging und Türza kam. Sie war eine Niederländerin und lebte in Leiden, einer kleinen Universitätsstadt unweit von Amsterdam. Durch diese Freundschaft kam es, daß ich die Coffeshopkultur der Niederlande, die übrigens eine lange Tradition besitzt (Coffeshops gehen auf die Kolonialzeit der Holländer zurück, es war der Ort, wo schon immer die aus den Kolonien herbeigeschafften Substanzen, wie Hanf, Tabak, Tee und Kaffee genossen wurden) doch noch intensiv kennenlernte. Bei meinen vielen Besuchen in Leiden war ich ein reger Besucher dieser meist sehr gemütlichen Plätze und habe die Sortimente systematisch durchprobiert. Bisher nur von Hörensagen bekannte, superpotente holländische Züchtungen waren neu für mich, sie machten auch echt breit und trotzdem bin ich immer ein Fan von guten naturgräsern aus tropischen Gebieten geblieben.

An der Uni hatte ich mich mit Afrikanistik und Völkerkunde richtig angefreundet und 1986 die Zwischenprüfung bestanden. 1987 bekam ich dann die Chance, an einer Gruppenreise zu einem Erfahrungsaustausch ins südliche Afrika, nach Simbabwe zu fliegen. Das Projekt war organisiert von einem NRW-Landtagsabgeordneten und finanziert von öffentlicher Hand, damit sich Jugendliche aus den zwei Ländern begegnen können. Zu der Zeit war Simbabwe ein Paradies, wenigstens für die Besitzer der harten D-Mark. Alles war sehr günstig und für Afrika besaß das Land eine fantastische Infrastruktur. In einer Rundreise besuchte ich ein paar Schulen und öffentliche Einrichtungen, bevor ich nach Bulawayo, der zweitgrößten Stadt, im Süden des Landes gelegen, reiste. Dort hatte die Jugendgruppe ihr "Hauptquartier" und es wurden Treffen mit Theater- und Kulturgruppen, sowie den Spielern des lokalen Fußballvereins organisiert. Mit diesen Jungs habe ich das erste Mal Gras aus dem Kongo geraucht, ich sage Euch, das haut um. Es war eine psychedelische Erfahrung. Eine der anderen Gruppen bestand fast komplett aus Rasta. Diese Begegnung war nach sporadischen Erfahrungen mit Dreads in Köln mein erstes Treffen mit dieser Art Mensch. Eine Begegnung, die über die Zeit einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Zu der Zeit waren es hauptsächlich das Ganja und die Musik, die mich faszinierten und inspirierten. Später kam die Erkenntnis hinzu, daß Rasta die wahren Intellektuellen Simbabwes sind, sie saufen nicht, wie sonst in dem Land überall üblich und sind nicht korrupt, sondern wahrheitsliebend und unabhängig. Und mit dem intensiveren Kennenlernen folgte das Wissen, das die Bredrens mit mir teilten, das Wissen über Ras Tafari, über Afrika, die unterschiedliche Perspektive über die Weltsituation, das Können, Dinge aus einem anderen Winkel zu sehen, als aus dem, den wir über Elternhaus und Schule anerzogen bekommen. Aber jetzt wird es Zeit, die Jungs mal vorzustellen. 

Die Zelle der Bredren war eine Schneiderwerkstatt im Zentrum der Stadt, die von Stan I betrieben wurde. Dort trafen sich die Rastas, um zu arbeiten, zu diskutieren und zu rauchen. Von dort aus ging man dann gemeinsam in den Park, um Sport zu teiben, Frisbee war unsere bevorzugte Beschäftigung, oder unter den großen Bäumen zu chillen und einen zu rauchen. Das Ganja hatte meist eine vorzügliche Qualität, besonders, wenn es aus Malawi, dem nördlichen Nachbarland Simbabwes kam. Dort wird das Gras zu ca 20 Gramm portioniert in Bananenblätter gepackt, gut verschnürt und ein paar Wochen lang verbuddelt. Der dadurch ausgelöste Fermentierungsprozeß erzeugt einen vorzüglichen Geschmack. Das so verpackte Gras wird als "Cobs" bezeichnet, während das weniger starke, an der Luft getrocknete und lose verkaufte Kraut als "loose" geht. 

Da Rasta sich gerne künstlerisch betätigen, hatten sie ein großes Interesse an meiner Malerei, dier ich zu der Zeit noch regelmäßig betrieben habe. Ein Tagebuch zu schreiben fand ich langweilig und so hatte ich mir angewöhnt, Dinge oder Gefühle in Bildern festzuhalten. Und in der Werkstatt von Stan I entstand in dieser Zeit auch mein "Hanfzyklus", mehrere Bilder, die Ganja zum Thema machten. 

Die Bredren selbst waren kreativ eher musikalisch tätig, sie hatten eine Band namens "Urban Guerilla Posse", die Roots Reggae und Dancehall spielte und sich in der lokalen Szene einen Namen gemacht hatte. Da ich immer wieder während der Semesterferien für mehrere Monate nach Simbabwe reiste, begann mit der Band eine immer engere Zusammenarbeit. Nicht als Musiker, ich bin völlig unmusikalisch, aber als Berater und Produzent. Wir probten regelmäßig bis zu drei Malen in der Woche in einem Haus, das von drei griechischen Frauen angemietet war und in einem Vorort Bulawayos lag. Diese Frauen hatten eigentlich nur eins im Sinn: rauchen, rauchen, rauchen. Weiterhin wurden das Haus und der weitläufige Garten von ein paar Rastas und Dutzenden von Katzen besiedelt. Auch ich hatte mich dort für eine Zeit in einem kleinen Nebenhäuschen mit nur einem Raum für eine Zeit eingemietet, nicht zuletzt deswegen, weil ich so die Musikarbeit mit der Urban Guerilla Posse intensiver betreiben konnte. Wir probten das Programm der Band und nahmen die Stücke auf einem tragbaren DAT Recorder auf. Leider war ein Großteil der technischen Ausrüstung (ein weiterer DAT Recorder zum Dubben, Mixer, Mikrophone, Effektgerät und Drumcomputer), die ich extra aus Deutschland mitgebracht hatte, gestohlen worden, bevor er überhaupt zum Einsatz kam, so daß unsere Arbeit erst mal nur rudimentär bleiben konnte. Als ich dann merkte, daß die Musiker "reif" waren, bin ich mit ihnen in ein Studio gegangen, um das erste Album mit ihnen zu produzieren. 

Dieses Studio befand sich auf einem Farmgelände ca. 30 km außerhalb von Bulawayo und wurde von einem, wie sich später herausstellte, halbtauben, weißen simbabwischen Musiker namens Rob betrieben. Das Equipment war okay, wir hatten ein 8-Spur-Gerät, Instrumente, Drumcomputer und eine Kabine für den Sänger. Das Studio wurde für eine Woche gemietet, Rob war der Soundengineer und die Jungs von der Urban Guerilla Posse waren heiß auf ihre Musik. Um nicht immer nach Bulawayo zurückfahren zu müsse, hatten wir auf dem Farmgelände unser Buschcamp errichtet, in dem wir in Zelten schliefen und auf Lagerfeuern kochten. Das war eine schöne Atmosphäre, wenn die Arbeit im Studio getan war, saßen wir ums Feuer, haben gegessen und geraucht und den Songs der Band auf akustischen Instrumenten noch den letzten Schliff gegeben. 

Im Studio allerdings stand nicht jeder Musiker seinen Mann. Der Schlagzeuger kam nicht klar, weil sein Drumset in einer eigenen Kabine stand und er über Kopfhörer den Sound zugfespielt bekam, ihm fehlte der direkte Konatkt mit den anderen Musikern. Also mußten wir uns mit der Programmierung des Drumcomputers auseinandersetzen. Und der Bassist war so nervös und aufgeregt, daß sein Part vom Gitarristen Asante, einem echt begnadeten Multiinstrumentalisten, eingespielt wurde. Nach einer Woche waren zehn Songs aufgenommen, aber irgendwie war der Sound unfertig. Das lag daran, daß man bei Reggae an einige Effekte (Echo, Hall etc) gewöhnt ist, die gänzlich fehlten und in dem Studio auch nicht eingemischt werden konnten. Was wir nach der Woche hatten, waren also zehn Songs in einer ausgezeichneten Demoqualität. Mein Budget reichte auch nicht für mehr, also wurde ein DAT-Band in der entstandenen Version gezogen und besprochen, den Mastermix später einmal in einem anderen Studio zu machen. Außerdem ging unser Ganjavorrat zur Neige (Rasta können echt rauchen!), was ein weiterer Grund für den Abbruch unserer Zelte und die Rückkehr nach Bulawayo war. Leider ist aus einer Fertigstellung der Aufnahmen und einer Veröffentlichung des Albums nie etwas geworden, die Band hat sich nämlich wenig später aufgelöst und Asante, das musikalische Rückgrat der Band ist nach Südafrika ausgewandert. 

Der Kontakt zu Rasta und die Arbeit mit ihnen waren nicht die einzigen erwähnenswerten Erlebnisse mit Hanf in Simbabwe. Eine sehr lustige Geschichte war das Human Rights Now Konzert mit Peter Gabriel, Bruce Springsteen und Youssou N'Dour Ende der Achtziger Jahre in Harare, Simbabwes Hauptstadt. Im Vorfeld hatte ich eine Plastiktüte voll "loose" Gras recht billig kaufen können und habe daraus Plätzchen hergestellt. Die Dosierung des Grases war recht hoch, die fertigen Produke hatten eine dunkelgrüne bis braune Farbe. Ich bin mit ein paar Bredren nach Harare gefahren und hatte eine Tüte mit mehreren Hundert dieser Plätzchen dabei. Das Gebäck wurde aber nicht nur von uns vertilgt, mehrere Hundert wären auch für Hartgesottene etwas viel gewesen, nein wir begannen damit, diese Delikastesse unter dem willigen Publikum zu verteilen und die Plastiktüte leerte sich rasant. Es wurde eine recht lustige Aktion, wir genossen das High und die Musik, es wurde viel gelacht und die Cookies waren nicht nur physisch, sondern auch verbal in vieler Munde. 

Eine andere Hanferfahrung war eine Reise in das Gebiet der Tonga, einem Volk in Simbabwe und dem benachbarten Sambia. Die Tonga leben rund um den Lake Kariba, einem künstlich angelegten Stausee, in den sich ein paar Hundert Kilometer hinter den Viktoriafällen die Wasser des mächtigen Sambesi ergießen. Dieser See ist vom Volumen her der größte Stausee der Welt, er ist sehr tief. Aber die Geschichte der Tonga, die eng verbunden mit der Ende der Fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts entstandenen Sees verknüpft ist, ist eine eher traurige: Sie lebten einstmals in dem Flußtal, das jetzt mit Wasser gefüllt ist und mußten damals vor den steigenden Fluten zurückweichen. Unbegreiflich ist, daß die damals noch weiße, rassistisch-rhodesische Regierung eine großangelegte Rettungsaktion "Operation Noah" für wilde Tiere in dem Gebiet startete, für die Tonga aber nie ein Umsiedlungsprogramm auf die Beine gestellt hat. Traurig ist die Geschichte insofern, als daß die Tonga einen Ahnenkult betreiben, der eng mit ihren damaligen Heimatdörfern verbunden ist, denn dort leben die gestorbenen Vorfahren und werden auch dort verehrt. Das ist jetzt leider nicht mehr möglich, da die Wassermassen des Sambesi das verhindern, die Tonga sind ein entwurzeltes Volk, das trotz der im Wasser des Karibasees versunkenen Traditonen in Simbabwe immer noch das Volk mit den ursprünglichsten afrikanischen Lebensgewohnheiten ist. 

Warum ich über die Tonga schreibe? Ganz einfach, bei ihnen findet man einen Hanfkult, der Genuß von Ganja dient rituellen Zwecken. Das Rauchen geschieht zum Angedenken an ihre Ahnen. Die Männer rauchen den Hanf aus langstieligen Pfeifen mit einem Tonkopf, der meist in einer Tierform (dem Totem ihres Clans) geformt ist. Und die Frauen haben eine mit Perlenketten verzierte Wasserpfeife aus Kalebassen (getrockneten und ausgehölten Flaschenkürbissen), an der sie emsig ziehen. Es heißt, daß keine anständige Tongafaru ihre Lehmhütte ohne ihre Pfeife verläßt. Das konnte ich mit eigenen Augen beobachten, als ich die Tonga besuchte. Cannabis ist ein wichtiger Lebensbestandteil der Tonga und der Genuß wird ihnen von der Regierung Simbabwes auch weitgehend zugestanden. 

Während einer weiteren Reise nach Simbabwe war ich auf der Suche nach einer Bleibe und fragte eine alte Bekannte nach Möglichkeiten. Sie wußte auch prompt etwas und als ich den Wohnungsbesitzer Carlos traf, um mit ihm über die Untermiete zu sprechen, meinte er als allererstes, daß alles kein Problem sei, daß er aber Ganja rauchen würde und ob das okay für mich sei? Dadurch stieg er bei mir direkt um jede Menge Punkte in der Beliebtheitsskala und wir haben viele Gelegenheiten gehabt, dieser gemeinsamen Beschäftigung nachzugehen. Mit Carlos Bruder habe ich einmal eine kleine Aktion gestartet, die uns beiden geholfen hat: Wir suchten uns ein paar der bei Touristen so beliebten Holzstatuen an Verkaufsständen in Bulawayo aus, gingen zu einem Schreiner und ließen sie aushöhlen, stopften mithilfe einer Hydraulikpresse von Samen und Stöckchen befreites, hochqualitatives Gras herein und verschlossen die Statue dann wieder ohne einen Hinweis auf derern Inhalt im Hohlraum zu hinterlassen. Daraufhin wurde das Objekt verpackt, zur Post gebracht und zu mir nach Deutschland geschickt. Als ich dann ein paar Wochen später wieder zu Hause war, erwartete ich mit einigem Herzklopfen das Päckchen, das dann nach einer gewissen Zeit auch kam und von mir ohne Problem mit dem Zoll oder mit anderen Behörden in Empfang genommen werden konnte. Die Verpackung war also ideal genug gewählt gewesen. Mit der Differenz des Kaufpreises in Simbabwe und des Wertes in Deutschland haben wir halbe halbe gemacht und der Anteil von Carlos Bruder reichte immer noch dicke, ihm ein Oszilloskop zu kaufen, das er für seine Arbeit als Rundfunktechniker brauchte. Obwohl dadurch beiden geholfen war, wollten wir es nicht übertreiben und es verblieb bei einer einzigen Aktion dieser Art. 

Anfang der Neunziger Jahre begann ich dann in Simbabwe startend eine Rundreise durch das südliche Afrika. Die erste Station war Südafrika als Transit in das von mir anvisierte Lesotho, einem kleinen Inselstaat innerhalb Südafrikas. Da derzeit noch ein striktes Apartheidregime in Südafrika herrschte, kam ich garnicht erst auf die Idee Ganja auf die Reise mitzunehmen. Nach einigen Tagen Reise über Johannesburg und Bethlehem im Orange Free State kam ich in Mapoteng, einem kleinen Kaff an der Zusammenkunft der Flanken von Drakensbergen und Malutibergen, an. Eigentlich wollte ich weiter in die Malutiberge bis zu einem Nationalpark vordringen, aber es regnete schon seit Tagen sehr stark und daher gab ich die Idee auf. Auch das Campen (aus Budgetgründen war das Zelt meine häufigste Unterkunft) in Mapoteng wäre durch die feuchten Umstände abenteuerlich geworden, so daß ich mich in dem kleinen Kaff nach einer etwas geschützteren Unterkunft umsah und schon bald von einem gleichaltrigen Lesother angesprochen wurde. Er hatte die Möglichkeit, mich in einem kleinen der Gemeinde gehörenden Gästebungalow unterzubringen und kümmerte sich auch sonst etwas um mich. Schon bald stellte sich heraus, daß auch er für sein Leben gern rauchte und der Überzeugung war, der stärkste Kiffer unter der Sonne zu sein. Das wollte ich testen und wir beschlossen, am Abend ein Wettkiffen in meinem kleinen Bungalow zu veranstalten. Er ging los, um Lesothoganja zu besorgen, was nicht besonders stark ist, aber dafür umso leichter zu besorgen: er meinte, er hätte es auf dem Dorfmarkt für kleines Geld gekauft. Zur weiteren Vorbereitung unseres Wettkampfes begannen wir das Gras von Stöckchen und Samen zu befreien und ich drehte ungefähr 80 kleine Stickies. Ich weiß noch, daß ich im Laufe des Abends und der hereingebrochenen Nacht um die 50 der kleinen Räucherstengel vernichtet habe und daß der Kollege aus Lesotho irendwann auf allen vieren aus dem Bungalow gekrochen ist, um zu Hause die nur noch kurze Nacht zu verbringen. Aber am nächsten Morgen waren wir beide wieder frisch und mieteten uns zwei Pferde, um die bergige Region rund um das Örtchen zu erkunden. Und am Nachmittag bin ich dann losgezogen, um die am Vorarbend stark dezimierten Rauchbestände wieder aufzufüllen. Es war tatsächlich so: das Ganja konnte man bei einer Marktfrau ganz offen kaufen und das Allererstaunlichste war der Preis: eine vergleichbare Menge Ganja war billiger als eine Packung Filterzigaretten. 

Über Maseru, der Hauptstadt Lesothos ging es dann weiter. Weil sich das Wetter leider nicht besserte, hatte ich beschlossen, die Pläne zu ändern und in dem Land nur noch eine Station zu machen und bin quer über die Drakensberge per Bus nach Mohales Hoek in Südwestlesotho gefahren. Dort hatte ich während meiner ausgedehnten Wanderungen durch die bergige Gegend eigentlich nur eine Aufgabe: das verbliebene Rauchkraut zu vernichten, bevor wieder ein Grenzgang nach Südafrika anstand. Übrigens sind auch während dieser Reise einige unter Ganjaeinfluß gemalte Bilder entstanden. 

Das neue Ziel war die Küste des Indischen Ozeans im Eastern Cape, genauer ein kleiner Ort namens Port Saint Johns, der mir von Leuten als besuchenswert empfohlen worden war. Über Kokstad und Umtata erreichte ich das kleine Küstenstädtchen am Abend und hatte so auf der Tagesreise einen Höhenunterschied von 2000 Metern überwunden. Der Ort mit seinem milden Klima, den schönen Stränden und der saftigen Vegetation lud nach dem doch sehr rauwettrigen Lesotho dazu ein, mein Zelt für ein paar Tage aufzuschlagen. Zur völligen Glücklichkeit fehlte mir nur eins: Ganja. Da ich mir bewußt war, daß die Beschaffung in Südafrika nicht so einfach sein würde, wie im Vorland, nahm ich mir vor, während der Erkundung des Städtchens und seiner Umgebung die Augen gut offenzuhalten. Und bei einer Wanderung durch das hügelige Küstenhinterland wurde ich fündig. Ich wanderte durch ein kleines von Afrikanern bewohntes Dorf und entdeckte ein paar Dreads, die ich einfach anquatschte. Nach einigem Zögern, ich war schließlich ein Weißer, kam dann doch noch ein Handel zustande und ich erwarb eine gute Portion feuchtklebrigen Grases, das mir als Durban Poison (einer derzeit noch regionalen Qualtätsmarkte, die durch holländische Nachzüchtungen allgemeine Bekanntheit erlangt hat) angeboten wurde. Zu verarbeiten war es nicht einfach, aber an meinem Taschenmesser befand sich glücklicherweise eine kleine Schere, mit der ich das klebrige Kraut doch zerkleinert bekam und am Strand mit Blick auf den Indischen Ozean endlich einen dampfen konnte. 

Trotz des Wissens, daß der Besitz von Gras in Südafrika bestimmt nicht angenehm wäre, sollte man mal von den Bullen überprüft werden, begleitete mich das Durban Poison noch eine ganze Weile auf meiner weiteren Reise entlang der Küste bis runter nach Kapstadt, wo ich in Simbabwe kennengelernte Bekannte besuchte und ca. zehn Tage blieb. Das nächste Ziel war Namibia, eine weitere Grenzübertretung, aber ohne Probleme, denn der Vorrat an illegalen Substanzen war aufgebraucht. Dort bin ich über einen Abstieg in den Fish River Canyon und eine Wüstenwanderung in Keetmanshoop in Lüderitz, einem kleinen Kaff an der Atlantikküste gelandet. Hier traute ich meinen Augen nicht, dachte, ich hätte mir unbewußt die Synapsen mit THC geladen, denn weit von der Heimat entfernt in Afrika stand ein Dorf, mit Kirche und allem Drum und Dran, wie es in ländliche Gebieten Deutschlands nicht besser hereingepaßt hätte. Es war ein Übrigbleibsel der deutschen Kolonialepoche im ehemaligen Deutsch Südwestafrika. Auf einem Spaziergang durch den Hafen von Lüderitz habe ich ein paar Rasta kennengelernt und natürlich haben wir uns ein stilles Eckchen gesucht und gemeinsam das international herb, das in Namibia hauptsächlich aus Angola importiert wurde, genossen. 

Es folgte auf der weiteren Reise durch das Land eine längere Periode des Nichtrauchens, was aber weiter nicht schlimm war, denn das Bier in Namibia war auch vorzüglich und hat mir gut geholfen, wenn ich einmal Einschlafprobleme hatte. Zurück in "heimatliche Gefielde" nach Simbabwe ging es durch Nordnamibia und den Kaprivizipfel und an den Viktoriafällen war ich wieder in dem Land, von dem ich die Rundreise von mehreren Tausend Kilometern und einigen Hanfabenteuern begonnen hatte. Nach ein paar Tagen am "Rauch der donnert" (Mosi-wa-Tunya, der afrikanische Name der Viktoriafälle), kam ich wieder in Bulawayo an und bin recht schnurstracks zu meinen Rastafreunden gegangen, um mit ihnen erst mal einen Wiedersehensspliff zu rauchen. 

Bis 1994 war ich ein regelmäßiger Besucher, der so stark mit Ganja verbunden war, daß ein Bekannter in Bulawayo mal behauptete, daß ich doch nur wegen dem Rauchkraut dorthin kommen würde. Das stimmte allerdings nur zum Teil, denn mir andere wichtige Punkte waren der Kontakt zu den Rasta, die wunderschöne Natur des Landes, die afrikanische Kultur - besonders die Musik und ein allgemeines Aufleben von mir selbst. Beispielsweise habe ich nach jahrelanger Sportasbstinenz dort wieder das Laufen begonnen und bin regelmäßig schwimmen gegangen. Ich kann nur jedem empfehlen, der fit genug ist, sich mal einen kleinen Spliff zu rauchen und dann eine dreiviertel Stunde gemütlich Joggen zu gehen. Es ist unglaublich, was dabei im Kopf abläuft, das ist nicht in Worte zu fassen, sondern muß erlebt werden. 

Aber zwischenzeitlich gab es natürlich auch in der Heimat ein paar berichtenswerte Ereignisse. Über die Afrikanistik hatte ich ein Mädel aus den Niederlanden kennengelernt, die das gleiche Fach in Leiden, einer Universitätsstadt unfern von Amsterdam studierte. Dadurch war ich häufig in dem beschaulichen Städtchen zu Besuch und habe natürlich die Coffeeshops vor Ort genutzt. Das war die Zeit, wo ich erstmals mit dem äußerst potenten, in den Niederlanden gezüchteten Gras in Berührung gekommen bin. Und das hat wirklich ziemlich reingehauen, so daß ich nach kurzer Zeit wieder auf die natürlichen Sorten aus den Tropen, die es in den Niederlanden glücklicherweise fast immer im Programm gab, umgestiegen bin. 

Ab Ende 1993 bin ich für eine lange Zeit regelmäßiger Arbeit nachgegangen, nämlich bei VIVA, genau, der Rappelkiste für clerasilsüchtige Pubertierende. Das Musikbusiness ist ja für seine Affektion zu Drogen bekannt und das kommt nicht von ungefähr. Allgemein möhte ich behaupten, daß bei VIVA 60 Prozent Kiffer und auch ein paar Pulversüchtige (besonders in gehobeneren Positionen) gearbeitet haben. Der Rest der Belegschaft war aber auch nicht nüchtern, sondern hat sich gerne einen hinter die Binde gekippt, so daß man sagen kann, daß VIVA eigentlich zu fast 100 Prozent bedröhnt war. Ich selbst hatte meine Hauptaufgabe bei dem Sender im Archiv, mit langen Regalreihen von Cassetten mit Content, wie man im Jargon sagt, halt mit musikbezogenem Inhalt. Tja und die meisten meiner direkten Kollegen waren, wie ich, einer guten Portion THC für die Synapsen nicht abgeneigt. Wir hatten in einer Regalecke einen kleinen Bunker angelegt, in dem sich alles Notwendige befand: piece, Purpfeife und Feuer. Dort, in der Unverfänglichkeit des Regallabyrintes wurde sich dann schnell ein Köpfchen geraucht, zum Fenster gegangen und die Restmoleküle aus der Lunge an die frische Luft verfrachtet. das alles geschah unter den Augen des Chefs, der eher dem Alk zusprach und der entweder nie etwas gemerkt oder sich immer dezent bedeckt gehalten hat. In der Mittagspause traf man sich gerne mal mit Kollegen auf einen Spliff in der sendernahen Umgebung und nach Feierabend fielen dann eh sämtliche Tabus. Die VIVA Parties waren immer sehr rauchig, aber nicht mal Gorny, der oberste Boß hat mal etwas verlauten lassen, sondern höchtens böse gefunkelt, wenn wieder irgendwo eine Qualmwolke aufstieg oder er sich dem Geruchs nicht mehr entziehen konnte. 

Zur gleichen Zeit habe ich begonnen in einer kleinen Schonung nahe meiner Wohnung zwischen den niedrigen Bäumchen Hanf anzubauen und hatte einen echt guten Erfolg. Die Pflanzen wurden bis zu zweieinhalb Meter groß, turnten und schmeckten und mengenmäßig hatte ich über die drei Jahre, in denen ich mich als Bauer betätigte, immer genug zu qualmen und konnte sogar noch das eine oder andere kleine Geschenk machen. Als ich etwas später dann mit ein paar Leutchen eine kleine und sehr billige Absteige anmietete, hauptsächlich, um mal ungestört unter Männern sein zu können, denn ich war, wie einige Kumpel aus dem Freundeskreis auch, mittlerweile verheiratet, hatten wir die Idee, doch mal richtig potentes Gras unter Kunstlicht zu ziehen. Das Ergebnis war weniger berauschend: Die Lampen entwickelten solch eine Hitze, daß das gesamte Klima in dem kleinen Raum umkippte, das verdunstete Wasser die Wände runterlief und die Pflanzen verschimmelten. Das einzig greifbare Ergebnis waren eine gesalzene Stromrechnung und jede Menge Ausrüstung, die nach dem schiefgegangenen Experiment in irgendwelchen Ecken rumstand. Allerdings hatten wir in der Hütte zwei nette Erntedankfeste, bei denen wir uns gegenseitig unsere draußen gezüchteten Ergebnisse präsentierten. 

Ab 1993 war ich ein regelmäßiger Besucher des Summer Jam Festivals, das mit seiner Reggae- und Etho-Ausrichtung schon immer ein Magnet für Hanfliebhaber war. Schon ab dem zweiten Besuch begann ich im Backstagebereich entweder für VIVA und /oder für RootZ.net über das Festival zu arbeiten und da wurde natürlich auch der eine oder andere Joint geraucht. Die Qualmwolken, die bei dem Festival manchmal über dem Publikum vor der Bühne hingen, sind legendär und auch massive Versuche der Bullen, dem Treiben Herr zu werden, sind bisher glücklicherweise gescheitert. 

Ein weiteres erwähnenswertes Abenteuer stammt aus Jamaika, das ich 1994 besuchte. Ganja ist eigentlich überall zu bekommen, trotzdem sollte man sich auch dort vor der Bullerei in Acht nehmen. Ich war auf einem gemieteten Moped unterwegs zu einem Wasserfall, von denen es auf der Insel einige gibt und sah dort einen alten Rasta sitzen und kam mit ihm ins Gespräch. Es dauerte nicht lange und er bot mir etwas Ganja zu kaufen an und ich deckte mich mit ein paar Gramm ein. Auf der Rückfahrt kam ich gerade mal ein paar hundert Meter weit, bevor ich von einem Bullen auf einer Harley angehalten wurde, der darauf bestand, mich zu untersuchen. Ich ließ alles über mich ergehen, bis er mir an den Sack wollte, wo ich die Portion in der Unterhose versteckt hatte. Mit dem Hinweis, ich sei kein Schwuler, habe ich seine Hand abgewendet und er bestand glücklicherweise auch nicht darauf, meine Weichteile in die Hand zu nehmen. So bin ich mit einem Adrenalinstoß davongekommen. 

Ein Jahr später war ich im Mai in Marokko, nicht im Riffgebirge, dem traditionellen Anbaugebiet für Hasch, sondern im Antiatlas. Aber auch dort war es überhaupt kein Problem, sich mit einem Piece einzudecken. Ich habe mich einfach vorsichtig an die Quellen herangetastet, indem ich zumeist ältere Leute und nicht die Jugend gefragt habe, eine Maßnahme, die ich mir über die Zeit zugelegt hatte und mit der ich immer gut gefahren bin. So konnte ich gut breit die phantastischen Antiatlas-Landschaften, die manchmal das Vorbild für Dali-Gemälde geliefert zu haben schienen, genießen. 

Meine letzte internationale Annekdote kommt aus Gambia, das ich im Jahre 2000 besuchte. Ich hatte mich ermutigt, ein Piece sehr guten Schwarzen mitzunehmen, damit ich vor Ort nicht erst groß rumsuchen mußte. Im Hotel angekommen, hatte ich die paar Gramm auf einem Sims über dem Fenster gebunkert und bin erst mal auf Erkundungstour gegangen. Zurück im Hotel wollte ich gerne einen paffen, mußte aber feststellen, daß das Piece verschwunden war. Mir lief der Schweiß in Strömen runter, denn es war klar: das Zimmer war in der Zwischenzeit saubergemacht worden. Als dann noch ein Hotelbediensteter an meiner Tür klopfte und mich zum Mitkommen aufforderte, dachte ich, daß dies wohl der Zeitpunkt war, wo ich die Methoden der gambischen Polizei kennenlernen würde. Aber er führte mich in einen kleinen Abstellraum, wo noch ein anderer Mann wartete, der mich fragte, ob ich etwas vermissen würde. Weil ich immer noch nicht sicher war, was da auf mich zukommt, war ich mit der Antwort vorsichtigt und antwortete, ja, aber ich wäre mir nicht sicher, ob ich "es" nicht vielleicht zu Hause in D liegengelassen habe. Er meinte nur mit einem Grinsen, daß Gambia ein freies Land sei, das seine Gäste gut behandelt und drückte mir das besagte Piece in die Hand. Ich war dankbar und drückte ihm wiederum ein paar Geldscheine in die Hand und konnte dann den Rest des Urlaubs gut breit genießen. 

Seitdem bin ich während meiner Urlaube nach Thailand geflogen, dort ist es mit Ganja nicht so einfach, man muß vorsichtig sein. Zwar habe ich auf Koh Samui schon den einen oder anderen geraucht, aber immer unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen. Da ich seit Ende 2002 mit einer Thailänderin verheiratet bin und in diesem Land lebe, habe ich mich für einen anderen Weg entschieden: den Weg der Nüchternheit. Zwar könnte ich jetzt bei idealem Klima massenweise Pflänzchen anbauen, denn meine Frau und ich betreiben eine Farm, aber, wie gesagt, der Weg ist ein anderer. So kommt es, daß ich nach fast 30 Jahren Kifferkarriere eigentlich nichts mehr zu tun habe mit Cannabis. jetzt soll noch mal einer sagen, daß Hanf abhängig macht. Dem sollte man diese Zeilen zu lesen geben. 
 

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