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Interview mit Lady Saw
04.07.2008
Summer Jam, Köln
 
RootZ.net traf Lady Saw bei ihrer  Pressekonferenz beim Summerjam 2008.

RootZ.net: Wie hat es dir denn dieses Jahr in Deutschland und beim Summerjam gefallen?
 
Lady Saw: Ich liebe Deutschland. Hier ist alles so friedlich. Das solltet ihr wirklich zu schätzen wissen, das ist keine Selbstverständlichkeit. In Kingston, wo ich wohne, ist das ganz anders. In Kingston kennt mich jeder. Das Schlimmste ist, das alle von mir nur Geld wollen, wenn ich mal auf die Straße gehe. Manchmal habe ich dann, wenn ich wieder nach Hause komme, keine Cent mehr in der Tasche.

RootZ.net: Was sind denn die aktuellen Entwicklungen in der Dancehall in Kingston?

Lady Saw: Das neueste ist, dass die Dances jetzt schon um zwei Uhr morgens schließen müssen. Das ist natürlich eine Entwicklung, mit der alle total unzufrieden sind. Wir gehen halt in Jamaika gerne spät raus, wenn es nachts etwas kühler wird, und bleiben dann auch gerne lange. Dancehall ist immer Ghetto-Musik. Rein musikalisch finde ich die Band von Beenie Man sehr gut. Der Keyboarder heißt Nigel und ist wirklich sehr fähig.

RootZ.net: Was kannst du denn zu dem aktuellen „Ladies Movement“ in der jamaikanischen Musik sagen?

Lady Saw: Ja, das ist gut und ich stecke da mitten drin. Für die jüngeren Künstlerinnen bin ich dabei ein Vorbild, die nennen mich schon „Mama Saw“. Aber ich helfe natürlich gerne.

RootZ.net: Machst du denn auch bei dem Sisters To Sisters-Projekt mit?

Lady Saw: Ja, selbstverständlich, das ist eine gute Sache. Weißt du, ich komme auch aus dem Ghetto und weiß genau, wie es dort ist. Heute lebe ich natürlich nicht mehr im Ghetto. Aber ich möchte auch nicht mehr an diese Plätze zurückkehren und gehe nicht mehr da runter. Der Song, den ich mit Sly & Robbie über das vergewaltigte Mädchen im Ghetto gemacht habe, das ist meine Geschichte. Als junges Mädchen wurde ich dort im Ghetto vergewaltigt. Das war eine schreckliche Erfahrung. Mit solchen brutalen Realitäten müssen die Frauen, die heute im Ghetto leben, täglich umgehen.

RootZ.net: Lass uns wieder über die Musik sprechen. Nach dem Album „Walk Out“ hast du VP Records verlassen. Was sind jetzt deine aktuellen Projekte?

Lady Saw: Meine Songs sind immer persönlich und kommen aus meinem Innersten. Ich arbeite an einem neuen Album, das kommt bald heraus. Dabei arbeite ich mit den angesagtesten Producern wie Tony Kelly, Birch, John John und Skatta.

RootZ.net: Wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Lady Saw: Ja, ich wünsche mir ein Baby. Ich habe adoptierte Kinder. Es ist sehr schön und befriedigend, sie aufwachsen zu sehen. Meine adoptierte Tochter studiert beispielsweise Medizin und wird bald Ärztin. Darauf bin ich sehr stolz. Aber ein eigenes Kind hätte ich sehr gerne.

RootZ.net: Welche Projekte stehen bei dir denn noch in der Zukunft an?

Lady Saw: Wenn ich Zeit habe, würde ich gerne ein Buch über mein Leben schreiben. Da würdest du staunen.

RootZ.net: Danke für das Gespräch. Das war beeindruckend. Alles Gute für deine Zukunft.

 
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Copyright Text: Paul Mülders / Doc Highgoods / Bilder: Doc Highgoods / Layout: Doc Highgoods 2008 Zum Seitenanfang