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Festivalreportage


Summer Jam, die 17.  – From di Doctor
 

Der Doc am Rechner
Auch wenn ich vom Festival selbst wieder herzlich wenig mitbekommen habe – meine Crew fesselt mich immer an den Sitz  vor dem PC und läßt mich gerade mal für nen Klogang und Essen raus – möchte ich es wagen, trotzdem ein paar Zeilen über Europas größtes Reggaehappening zu schreiben. 

Die Organisation für solch ein Megaevent beginnt für den Veranstalter schon zum Anfang des Jahres. Es werden Kontakte zu Künstlern, Managements und Bookern geknüpft, die ganze Logistik für das Festival mit Bühnen, Zelten, P.A.s, Licht, Strom, Abzäunungen, Stagehands, Securites etc. muß organisiert werden. Und der Pulk an internen Mitarbeitern und Gästen, wie bspw. der Presse muß ausgeguckt, benachrichtigt und in die Festivalorganisation integriert werden. 
 
Man neigt zu denken, daß diese „Internen“ am wenigsten Probleme machen, doch weit gefehlt. Gerade diese Gruppe hat hohe und zum Teil ungerechtfertigte Ansichten und Ansprüche. Mich hat echt genervt, daß ich im Vorfeld mehrfach angequatscht wurde, meinen Pass aufn Farbkopierer zu legen und die Kopien an Leute zu geben, die sagen, daß ihnen das Eintrittsgeld zu hoch ist oder die unbedingt in den abgeschirmten Backstagebereich wollen.

Da kommen dann so skurille Aussagen, wie „das ist doch nen völlig kommerzielles Ding, das schadet denen doch gar nicht.“ Das ist aus meiner Sicht die gleiche Mentalität, wie zügelloses CD brennen oder unerlaubt Bilder und Texte aus dem www klauen. Man sollte immer checken, wen man mit dieser Aktion gerade schadet. 

Nicht daß ich noch nie CDs gebrannt oder Bilder kopiert hätte, allerdings muß so etwas Grenzen haben. Was da auf dem diesjährigen Summer Jam passiert ist, geht einfach zu weit. Einen Typen haben sie mit 300 – 400 gefälschten Pässen inkl. „Catering Yes“ aufgegriffen und auch mir hat eine bekannte Person aus der Kölner Reggaeszene (Name wird aus ermittlungstechnischen Gründen noch nicht genannt) am Samstagabend einen ganzen Fächer mit den Worten, „wer will denn morgen auf Veranstalterkosten essen?" angeboten. 

Ein anderer Fall läßt sich mitten in die Posse um einen deutschen Reggaeact verfolgen, dessen Namen ich erst nennen werde, wenn die Sache niet- und nagelfest ist, weil ich vom Management erst Bitten und im gleichen Telefonat Drohungen, wie Unterlassungsklage und Ähnliches bekommen habe. Obwohl die Beweislage eigentlich recht klar ist, läßt das Management verlauten, daß alle mit falschen Pässen auf dem Summer Jam Aufgegriffenen  mit einer Anklage wegen Meineids zu rechnen haben, die behaupten, sie hätten ihren Pass vom Künstler X bekommen. Very Reggaelike, ain’t it? Naja, einige Leute preschen halt vor und reden Zeug daher, das sie bei näherem Nachdenken schnell wieder bereuen. 
 

Capleton
So geschehen auch in einem anderen Zusammenhang, bei dem eins unserer Crewmitglieder und ihre Freundin mit unnetten und anzüglichen Worten belegt wurden, weil sie Capleton’s Bitte, ihn zum Taxi zu bringen, nachgekommen sind. Neben den Anzüglichkeiten hieß es dann noch, daß die Mädels eine geplante Aufnahme mit dem King und einem deutschen Act versaut hätten. 

Schon am nächsten Tag kam die kleinlaute Entschuldigung der vorabendlichen Schreihälse. Ich möchte an dieser Stelle trotzdem einfach mal darum bitten, das Mundwerk doch im Zaum zu halten. Wir befinden uns in der Reggaeszene, die Love, Respect, Oneness, Peace und Forwardness als Werte hochhält. Meiner Meinung nach sollten sich alle Akteure daran halten. Ich habe nämlich eigentlich keinen Bock auf dieses moralische Gesülze der vergangenen Zeilen, werde aber nicht die Fresse halten, wenns mal wieder ansteht. Ich mache mich auch nicht von dem einen oder anderen persönlichen fauxpas frei, den ich mir eventuell schon in meinen Kommentaren, die offensichtlich regelmäßig gelesen werden, geleistet habe. 
 

Schluß mit Backstagegeflüster, jetzt geht’s zum Festival. 24 000 zahlende Gäste, das Wetter hat sich einigermaßen gehalten, die Cops hatten nicht die THC Konsumenten, sondern nur die Verticker im Visier, das Programm war trotz der Wegfälle von T.O.K., Elephant Man und Beres Hammond gut ausgewogen und hatte einige Highlights. Zwar fehlte die angekündigte Pontonbrücke mal wieder, aber nach meinen Infos war die Einlaßkontrolle dieses Mal etwas zügiger. 

Dummerweise ist an den Kontrollpunkten wieder mal vielen Leuten das Ganja abgenommen und vor ihren Augen zerbröselt worden, was zu viel Gemurre geführt hat. Trotzdem ist diese Arbeitsteilung zwischen Cops und Security für uns Konsumenten noch „vorteilhaft“, denn die Cops müssen beim Aufgreifen ermitteln, wie uns der Kolonnenführer, Polizeidirektor Gerd Baltes im Interview mitteilte. Dann ists besser, wenn unser salomonisches Kraut nur zerbröselt wird und nicht noch nen Verfahren hinterher kommt, weil die Securities die Personalien nicht ermitteln dürfen. 

Ein Vorschlag von mir in dieser Angelegenheit ist allerdings, doch mal die Securities am Ende ihrer Schicht beim Einlaß zu durchsuchen. Mich würde es nicht wundern, wenn da jede Menge kleine Tütchen mit duftendem grünem Inhalt bei dem einen oder anderen zum Vorschein kämen. 

Zähneknirschen bereitete vielen die Preisgestaltung, um nicht Preistreiberei zu sagen, bzgl. Getränken und Verköstigung. Trotzdem wurde gut bis befriedigend umgesetzt und auch die Händler mit Platten, Klamotten etc können nicht murren, soweit uns Infos vorliegen. 
 

Beenie Man

Mr. Gentleman
24 000 Leute im Rausch von Reggae und highssgeliebten Kräutern und leider auch im Koma des Alkohol, aber trotzdem hielten sich die Ambulanzeinsätze im Rahmen. Nur bei den immer wieder passierenden Zeltdiebstählen wurde traurigerweise ein Zuwachs festgestellt. Solch ein Event zieht nun mal auch diejenigen Leute an, die nur auf krumme Touren nen schnellen €uro machen wollen. 

Ja, und die Musik? Es gab wieder einmal die nie endende Diskussion um mehr Dancehallacts, gerade nach dem Ausfall von Elephant und T.O.K.. Aber etabliert es sich nicht jedes Jahr mehr, daß das Summer Jam mehr für die Rootslovers ist, wohingegen das Splash die Dancehallovers anzieht? Ist doch eigentlich ne gute Arbeitsteilung. Und an drei Tagen Festival kann man nun mal bei einer so reichen Musikkultur, wie Reggae und Subgenres darstellen, nicht alle Facetten leuchten lassen. 


 
Ich finde, daß Acts, wie Seeed, Dub Syndicate, Beenie Man, Capleton, Luciano, Gentleman, Buju, Bushman, Eek A Mouse, Max Romeo, Ras Ites und The Pioneers wirklich ein fettes Reggaeprogramm geboten haben. Dazu noch einige fette Skaacts, wie CJC, Roy Paci, The Peeping Toms und Dr. Woggle und auch wieder extellente Worldmusicauftritte von Orchestra Baobab und Angelique Kidjo. Ich finde, da kann man nicht meckern und auch ein Lamentieren über zu hohe Eintrittspreise ist nicht angebracht, insbesondere bei den Tonnen von Müll, die der Veranstalter nach Abschluß des Festivals jedes Jahr entsorgen muß. 

Abschließend noch der Hinweis, daß die Artikel zu gefälschten Summer Jam Pässen nachgeliefert wird, sobald sich die Perspektive von Gerüchten hin zu Fakten verschoben hat.


Seeed

Capleton


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