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Smoke - Der Ganjaplanet

Kapitel 1 - 30

Download als Word Text 
(mit formatiertem Text und
erklärenden Fussnoten)

G A R A N T I E R T  virenfrei

 

Ja, liebe Leute, jetzt ist es soweit, ich habe 10 weitere Kapitel von Smoke – Der Ganjaplanet ins www gesetzt. Damit hat sich’s aber auch. Wer alles lesen will, der muß darauf warten, bis das Buch erscheint. Übrigens sind diese ersten 30 Kapitel nur quergelesen, sprich noch nicht in ihrer endgültigen Form. 

Noch ein paar technische Anmerkungen: 

-Ausgedruckt umfaßt der Text ca. 150 Seiten, ich empfehle für PC-User dafür eher das als Download auf dieser Seite erhältliche Word-Dokument. Es läßt sich in Bezug auf die Fußnoten leichter lesen.

-Zu den Fußnoten auf diesem html-Dokument: Sie sind durch ein hochgestelltes Dreieck gekennzeichnet. Wenn dieses mit der Maus angeklickt wird, kommt man zum entsprechenden Verweis. Ein Klick auf das der Fußnote vorgestellte Dreieck bringt einen zurück zur verknüpften Textpassage. 

-AmEnde des Textes ist eine Mailadresse, über feedback würde ich mich freuen.

Und jetzt viel Spaß bei der Lektüre des Rasta-Ganja-Science-Fiction.

1

Until the philosophy which hold one race superior and another inferior

Is finally and permanently discredited and abandoned

Everywhere is war. 

That until there no longer first class and second class citizens of any nation

Until the colour of a man's skin is of no more significance than the colour of his eyes 

Me say war.

That until the basic human rights are equally guaranteed to all, without regard to race 

Dis a war.

That until that day the dream of lasting peace, world citizenship rule of international morality will remain in but a fleeting illusion to be pursued, but never attained 

Now everywhere is war.

And until the ignoble and unhappy regimes that hold our brothers in Angola, in Mozambique, South Africa in sub-human bondage 

Have been toppled, utterly destroyed 

Well, everywhere is war, me say war.

War in the east, 

War in the west,

War up north,

War down south

Rumours of war.

And until that day, the African continent will not know peace,

We Africans will fight - we find it necessary 

And we know we shall win, as we are confident in the victory of good over evil

(Ras Tafari, 20. Jh)

Es war ein kühler Tag. Am königlichen Hofe von Punt AbabaÑ hatten sich die Menschen tief in ihre Gewänder gehüllt. Die blaue Sonne Sonne des Planeten schien durch einen Schleier von hohen Wolken und brachte dadurch nicht ausreichend Kraft auf, um die Luft in der hoch gelegenen Ebene im Krapatgebirge, seit Generationen die Heimat des königlich äthiopischen Geschlechtes der Makonnens, auf eine angenehme Temperatur bringen. 

Eine hektische Betriebsamkeit lag über der Ansammlung von Gebäuden, die sich in einem schützenden Gürtel zum zentral gelegenen Uleke des Königs gesellten. Lagerfeuer brannten, Vieh wurde in die Ställe getrieben und von überall hörte man die Befehle und Anweisungen der Aufseher an den Strom der wie Ameisen umherwuselnden Arbeiter.Kurz vor dem Aufbruchnach Green Dream, der neuen Heimat, konnte man die Anspannung der Männer und Frauen Punts förmlich als Knistern in der Luft spüren. In einer anhaltenden Welle wurden Güter aus dem Hauptgebäude geschleppt und in große Container aus Cannafaser verladen. Aus der Umgebung kamen Bauern und anderes Volk mit Handwagen, deren letzte Ernteabgaben für den NegusÑ wiederum in den großen Behälter Platz fanden. 

Die Luft roch nach Räucherstäbchen, Mist und Lagerfeuern. An der Kirche mit dem mächtigen koptischen Kreuz auf der Rundkuppel stand eine Reihe von Priestern unter ihren traditionellen Sonnenschirmen tief in ein Gespräch vertieft. Eine Gruppe von drei in weiße, wallende Kleidung gehüllten Gestalten löste sich aus der Gruppe der Kleriker und bewegte sich in bedächtigem Schritt über den offenen Vorplatz dem mit Fellen verhängten Eingang des Uleke zu. Die dort platzierte Leibwache des Königs, mächtig gewachsene Zulukrieger, schob die Tierhäute beiseite und ließ das Trio passieren, um vom Halbdunkel des sich öffnenden Raumes mit den ersten Schritten verschluckt zu werden. 

Die wenigen in der Halle des Uleke verstreuten Palmöllampen spendeten gerade ausreichend Licht, um die Umrisse einer gepolsterten Hängematte zu erkennen, in der ein hübscher, zart wirkender Teenager schlief. Die drei eingetretenen Gestalten durchquerten leise den Raum und beugten sich über den erwachenden Jungen, der durch verschlafene Augenschlitze seine Mutter Vusi und zwei unbekannte Frauen erkannte, die in die weiße, wallende Kleidung der Priesterschaft gehüllt waren. 

>>Und das soll unser hoffnungsvoller Kandidat sein, wie einige Mystix meinen?<< sagte die kratzige Stimme einer der Unbekannten. Sie zog ihr ohnehin runzeliges Gesicht in nachdenkliche Falten.

>>Ich beobachte ihn seit dem Tage seiner Geburt unter diesem Aspekt und bin mir sicher, dass er seit Generationen der hoffnungsvollste Kandidat ist, die Prüfung zu bestehen,<< antwortete seine Mutter und schob sich eine Locke ihres Haares unter das Kopftuch aus reichlich mit Goldgarn bestickter Baumwolle zurück. 

>>Laß uns beraten, wie wir die morgige Zeremonie vorbereiten, die uns einen ersten Aufschluß geben wird. Der kleine Bengel ist aufgewacht und ich will ihm nicht in der letzten Nacht vor seinem großen Tag einen Schreck einjagen, dass ihm die Furcht noch den für morgen bitter nötigen Schlaf raubt<<, sagte die kratzige Stimme. Diealte Frau verbreitete einen unverwechselbaren Körpergeruch nach muffiger Wäsche, ätherischen Ölen und Holzfeuer. 

Sie warf einen letzten Blick auf den in seiner Hängematte liegenden Teenager. >>Ich wünsche dir süße Träume, Sohn des Negus. Morgen wird hart genug für dich werden.<< Die Alte drehte sich um und gab damit den anderen das Zeichen, dass sie gehen wollte. Die Mutter strich ihrem Sohn kurz mit der Hand über die Stirn und ging dann mit den beiden anderen auf den Ausgang zu. 

Der Junge war plötzlich hellwach. Aus dem Hintergrund vernahm er die Musik der Rako. Das sich steigernde Stakkato, das die zupfenden Finger eines Spielers auf den Saiten des Instrumentes aufführten, trugen noch zu seiner nach den vorigen Minuten ohnehin erhöhten Anspannung bei. Er dachte: Was für eine Prüfung? Ist es der Traum, an den ich mich immer wieder erinnere, in dem ich eine leuchtend grüne, sirupartige Flüssigkeit trinke und dann jedes Mal mit dem Gefühl aufwache, ich hätte dadurch in unendliche Tiefen der menschlichen Entwicklung schauen können?

Er legte sich in der Hängematte in eine bequemere Position. Nicht nur der einprägende Geruch und das Charisma, das er deutlich genug gespürt hatte, besonders die Worte und wie sie von dieser alten Frau ausgesprochen wurden, waren für ihn Grund genug, um sich über den nächsten Tag Gedanken zu machen. 

Und wie sie meine Mutter behandelt hat, als wäre sie selbst eine königliche Zulukriegerin oder gar ein Mitglied unseres Hofes. 

Hat diese Prüfung vielleicht irgendwas mit unserer Übernahme von Green Dream zu tun?, dachte er. 

Es gab für ihn dort so viele neue und interessante Dinge zu entdecken. Deshalb freute er sich so sehr auf seine von dem väterlichen Planeten so verschiedene neue Heimat. ’Smoke – der Ganjaplanet’, wie die geheimnisumwobenen Bewohner ihren Planeten nennen. 

Von Clever Zulu, dem Anführer seiner väterlichen Leibwache, hatte er ein paar Informationen erfahren können. Jahrtausende hatte der Planet unter der Kontrolle der Auriten gestanden, die dessen Bewohner systematisch ausbeuteten und unterdrückten. Die letzte auritische Verwaltung von Smoke wurde beendet, nachdem Aurus die Hälfte der Bewohner des Planeten zu leeren Hüllen gescreent hatte und die Versorgung mit dem für die gesamte Milchstraße prekär wichtigen Ganja in Gefahr geriet. Die U.P.O. suchte nach einem Nachfolger für die Administration, nach einer Persönlichkeit, die wieder friedliche Zeiten auf Green Dream einkehren lassen konnte. Die Wahl fiel auf das Haus Makonnen, nicht zuletzt, weil Auriten und Makonnens schon seit Menschengedenken Erzfeinde waren und man sich erhoffte, dadurch ein schnelles Vertrauen zwischen dem neuen Verwalter und den Bewohnern des Planeten herstellen zu können. Smoke – was wird uns erwarten? Wird es, wie erwartet, das Haus Makonnen stärken, oder werden die Zweifler Recht behalten, die lamentieren, dass dies nur ein geschickter Zug der U.P.O. sei, um auf dem Planeten endlich Frieden zu haben und die ins Stocken geratene Versorgung mit Ganja wieder ins Rollen zu bringen? Und die Makonnens sollen in dieser Rolle als Katalysator des Prozesses verheizt werden?

Bekkele legte sich in seiner Hängematte zurecht und schlief wieder ein. Seine Träume wanderten durch das Universum auf einen fernen Himmelskörper. Dorthin, wo demnächst der Uleke seines Vaters errichtet werden soll. Er sah dort wild aussehende Gestalten mit Haaren wie Wolle, die auf einer Lichtung im scheinbar undurchdringlichen Dschungel unter exotischen Lichtkörpern saßen und aus bauchigen Wasserpfeifen rauchten. Er konnte spüren, dass eine Energie präsent war, die er nicht kannte. Aus dem Hintergrund erschollen spitze Schreie von unbekannten Tieren – fiep, fup, fiep, als würde man die zwei hohen Saiten der ungestimmten Rako anschlagen. 

Er wusste sogar im Traum, dass er sich nach demAufwachen an alle Details erinnern würde. Das war immer so, wenn er über seine Zukunft träumte und hat ihn schon häufiger in Verwirrung gebracht. Besteht die Zukunft aus den Träumen der Gegenwart? 

Ein Geräusch im Hintergrund ließ Bekkele erwachen. Der vertraute Geruch und die gewohnte Klangkulisse des Uleke strahlten eine immense Geborgenheit aus und gaben ihm in diesen Zeiten des Wechsels die benötigte Sicherheit und Stärke. Dennoch freute er sich auf die neue Heimat. Clever Zulu, sein Lehrer hatte erzält, dass die auf Punt so strikt gehandhabten universalen Hofetiketten in der neuen Heimat nicht so streng genommen würden, was ihm mehr Freiraum versprach. Es gab soviel zu entdecken. Smoke war im Umbruch, alles veränderte sich. Die Bewohner des Planeten hatten sich tief in die Wälder des Planeten zurückgezogen, nachdem die Auriten die Hälfte ihres Volkes im letzten Krieg durch Screens zu Untoten gemacht hatten. Keiner wusste Genaues über diese mysteriösen Wesen, die es gewagt hatten, sich gegen Aurus’ übermächtige Herrschaft aufzulehnen und sie zu bezwingen. Nicht einmal die allwissende U.P.O. konnte Informationen über die Anzahl und den technologischen Stand des Volkes der Wahren Israeliten, wie sie offiziell genannt wurden, geben. 

Smoke – der Ganjaplanet.

Er spürte, wie sich seine Muskeln vor Aufregung langsam anzuspannen begannen, zu viel Adrenalin wurde ausgeschüttet und durch seinen Körper gepumpt. Von seiner Mutter hatte er gelernt, wie man in solchen Situationen die Kontrolle über sich selbst behält. Sieben tiefe Atemzüge, bei denen das Ausatmen doppelt solange dauert, wie das Einatmen. Dabei zieht man beim Inhalieren die positive Energie an und stößt beim Ausatmen alles Negative ab. Die Wolken in seinem Geist zogen wieder ab, das Blut floß schnell, aber kontrolliert, das Bewusstseins fokussierte schärfer. 

Als Bekkele bemerkte, dass der neue Tag mit dem ersten Licht sein Antlitz zeigte, erhob er sich aus seiner Hängematte. Seine Nase roch das intensive, erdige Aroma von frisch geröstetem Kaffee, dem königlichen Getränk seit Menschengedenken. 

Die Felle am Eingang seines Raumes wurden beiseite geschoben und seine Mutter betrat den Raum. Unter ihrem weißen Kopftuch aus hauchdünn gewobenem Leinentrug sie eine von den kunstvoll geflechteten Turmfrisuren, die er so an ihr liebte. Aus ihrem vollen Gesicht war keine Information zu erahnen, während ihre tiefbraunen Augen einen feierlichen Glanz trugen. 

>>Du bist ja schon auf. Ich wollte dich gerade wecken kommen. Wie fühlst du dich heute morgen?<< sagte sie und blickte ihren Sohn dabei durchdringend an. 

>>Ja, ganz gut. Aber ich habe unruhig geschlafen. Immer wieder habe ich Träume über die Zukunft, bei denen ich spüre, dass sie mehr bedeuten, als Spiegelbilder des schlafenden Bewusstseins zu sein.<<

Bekkele beobachtete seine Mutter und bemerkte ihre Nervosität, als sie in seine direkte Nähe kam. Jedem anderen wären die kleinen Zeichen nicht aufgefallen, er aber hatte durch sie persönlich einen tiefen Einblick in das Können und Wissen der Mystix bekommen und war für das Erfassen solcher Stimmungslagen sensibilisiert worden. Sie nahm die Kleider, die sie über ihrem Arm trug und gab sie ihrem Sohn. Es war das traditionelle weiße Baumwolltuch, das von allen Makonnens getragen wurde und sich nur in der Bestickung der Borte unterschied. Sein Tuch trug einen Rand aus Ites, Gold ’n’ GreenÑ mit einem symbolisierten Löwenkopf, dem seit Jahrtausenden verwendeten Wappentier seiner Familie. 

Vom Vorhof des Uleke vernahm Bekkele das polyrhythmische Klatschen, begleitet von mehrstimmigen Gesängen einer Gruppe Frauen, dem Klang des Gesangs nach wahrscheinlich einer Gruppe von Mystix. 

>>Beeil Dich, sie rufen schon nach Dir,<< sagte seine Mutter.

>>Wer war die Frau mit der rauen Stimme heute Nacht? Mir kommt sie gleichzeitig fremd und vertraut vor. <<

>>Sie hat mich in der Lehre der Mystix ausgebildet und hat eine hohe Position im Regierungsrat der U.P.O. Wenn Du sie gleich triffst, zeige ihr soviel Respekt, wie möglich und erzähl ihr genau von diesem Zwiespalt von Vertautem und Fremden in deinen Erinnerungen. <<

>>Okay, wenn Du es sagst. Hat sie irgendwas mit Smoke zu tun?<<

>>Frag nicht soviel! Sie warten auf Dich und Du weißt, wie schnell die geringsteZeitverschwendung die Mystix nervös macht.<< Deutlich hörte Bekkele den angespannten Unterton in der Stimme seiner Mutter.

2

Bericht über die Prüfung des Bekkele Makonnen am 21. NissauÑ 974 im königlichen Uleke, Punt Ababa 

An diesem ehrwürdigen Tag haben sich die Mystix-Sondiererin Esther Achebe und 21 ihrer Helferinnen im königlichen Uleke von David Makonnen eingefunden, um dessen Sohn zu prüfen. Auf der Suche nach dem universalen RootsmanÑÑ ist die Mystix Sondierungskommission nach langer Recherche in alten Unterlagen zum Entschluß gekommen, dass das schon ewig existierende Geschlecht Makonnen der vielversprechendste Wurzelsproß auf unserer langen Suche nach den erleuchteten Pfaden des Lebens ist. 

Lamentieren werden wir, sollten wir durch die Prüfung dem Negus David von Punt Ababa seinen Sohn rauben, umso größer jedoch wird der Jubel sein, wenn wir nach unendlicher Suche endlich einen Rootsman gefunden haben, der uns hilft, die weibliche Erinnerung mit seinem Teil kollektiver Manneserfahrung zum Ganzen zu perfektionieren. 

Niedergeschrieben werden diese Zeilen von der Mystix-Registriererin Stef Crire. 

>>Gekleidet ineinem leuchtend weißen Gewand mit der Symbolleiste in den königlichen Farben und dem Symbol des salomonischen, erobernden Löwen des Stammes Juda, stand der zierlich gebaute Junge vor uns. Man konnte ihm ansehen, dass er eine Ahnung davon hatte, welche Wichtigkeit die bevorstehende Zeremonie für das Geschick der Menschen haben würde. Trotz seiner deutlich erkennbaren Anspannung wirkte Bekkele Makonnen stark, bereit und geradezu übermäßig selbstbewusst, den Test zu bestehen. 

So reichte man ihm an diesem frühen Morgen des 21. Nissau 974 das nach unseren Riten hergestellte Gemisch aus Kaffee und Ganja und schloß ihn unter der Aufsicht der 21 anwesenden Mystix- Observiererinnen an den Hirnscreener an. 

Mit Aktivierung des Gerätes kam der große Moment der Wahrheit. Wird die Menscheit in naher Zukunft über eine wahre kollektive Erfahrung von weiblicher und noch fehlender männlicher Erinnerung zur Verfügung stehen? Werden wir bald endlich die Pfade der Vergangenheit im Licht des Kompletten, des Ganzheitlichen sehen können? Werden sich männliche und weibliche Erinnerungen zu einem retrospektivem Perfektum fusionieren lassen? Welch eine Macht würde daraus erwachsen.

Gott hat uns den richtigen Weg gezeigt und in der Tat hat der Hirnscreen den Sohn des Negus weder beschädigt, noch wurden die hohen Erwartungen von uns Mystix enttäuscht. Bekkele Makonnen ist mit einem Rest an Zweifeln, die der zum festgelegten Moment gereichte, heilige Pflanzentrunk aus der Säure der männlichen Hanfpflanze beseitigen wird, der Rootsman, den wir seit unzähligen Generationen suchen. Die Inhalte seiner im Hirnscreen offenbarten Erinnerungen sprechen die deutliche Sprache unendlicher zeitlicher Tiefen. 

Die Ausbildung, die das Kind von seiner Mutter, der Mystix-Instrukteurin Vusi Nyoni, erhielt, haben Bekkele Makonnen in frühem Alter prädestiniert. Die heutige Prüfung hat unsere Vermutung unterstrichen und der heilige Trunk wird endgültig klarstellen, dass der Sohn des Negus, geboren am 14. TewetÑ 959, der neue Rootsman der Menschheit sein wird. 

Wir, die Mystic Amazons, danken dem Fluß der Zeit für dieses Ereignis, welches das Universum bewegen wird und geloben, Bekkele Makonnen zum überlieferten Zeitpunkt den Pflanzentrunk zu verabreichen.

Abschließend sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass uns eines an dem Knaben Sorge macht: Schon in seinem jungen Alter neigt er zu Verhaltensweisen eines reifen Erwachsenen. Er besitztden Instinkt, die Wahrheit, sei sie auch noch so verschleiert, in ihrem Kern zu erkennen. Kombiniert mit seiner sehr kritischen bis respektlosen Haltung gegenüber uns Mystic Amazons, stellt dies für die Zukunft unserer Gemeinschaft eventuell ein ernsthaftes Problem dar. Die Wahrscheinlichkeiten für die weitere Entwicklung des Jungen sind auf jeden Fall detailliert, insbesondere unter dem Aspekt der Machtakkumulation in seiner Person, von einem Thinkman zu untersuchen. Die Ergebnisse müssen der Mystix-Leiterin unverzüglich zur Evaluierung vorgelegt werden. 

Dokumentiert, geprüft und archiviert vonMystix-Registriererin Stef Crire.

3

Why boasteth thyself, oh, evil men

Playing smart and not being clever?

I said, you're working iniquity to achieve vanity

But the goodness of Jah, Jah I-dureth for-I-ver

So if you are the big tree we are the small axe

Ready to cut you down 

These are the words of my master, keep on tellin' me

No weak heart shall prosper 

And whosoever diggeth a pit shall fall in it.

(Musiker Bob Marley, 20. Jh.)

Das hypermoderne Kontrollzentrum von Gou, der Hauptstadt des Planeten Aurus war in eine gespannte Stille getaucht. Nur in einem Nebenraum summten die Spannungswandler für die Schalttafeln der planetaren Abwehreinrichtungen von Aurus. Überall stapelten sich Speicherelemente der verschiedensten Herkunft, die ein an der Wand befindlicher Kommunikationsschacht in unregelmäßigen Abständen in die vor die Öffnung gehängte, ohnehin fast randvolle Ablage spuckte. 

Um das in die Mitte des konisch geformten Raumes projizierte Hologramm eines Planeten standen zwei Männer, die sich konzentriert Details in der dreidimensionalen Abbildung betrachteten. Die Unmenge der im Raum verteilten Bildschirmen und Kontrollämpchen tauchte die Szene in ein ständig wechselndes Zwielicht. In der Luft dominierte der elektrische Geruch von Ozon. 

Im Hintergrund saß ein abwesend wirkender junger Mann von sechzehn Jahren in einem Ergosessel aus feinster Edelfaser und lauschte halb gedankenversunken dem Gespräch der beiden anderen Männer, während er an den Knöpfen einer Konsole spielte. 

>>Das wird eine Metzelei geben, wie wir sie seit dem Verlust unserer galaktischen Macht nicht mehr durchgeführt haben. Und die blinden Makonnens haben keine Ahnung davon, was sie erwartet. Aber das bin ich unseren Erzfeinden schließlich auch schuldig. Wenn ich, Viktor Astro, Herrscher von Aurus, mir eine Gemeinheit für die Makonnens ausdenke, dann tut sie richtig weh.<< sagte der kleine und immens korpulente Mann zu seinem Gegenüber.

>> Meister, Ihr seid der Größte. Ich möchte Eure Freude an dem diabolischen Plan keinesfalls schmälern, aber trotzdem erwähnen, dass die Idee in meinem Kopf geboren und durchdacht wurde.<< Die antwortende Stimme klang merkwürdig mechanisch und ließ keine Gefühlsregung erkennen. Sie gehörte zu Karak, dem persönlichen Analytiker von Viktor Astro. Das Gesicht des Mannes erinnerte an eine Maske aus uralten Zeiten. An eine Maske, die den Tod symbolisierte: in ihren Höhlen weit zurück gezogeneAugen, die von tiefen, dunklen Rändern umgeben waren. Die aschfahle Gesichtsfarbe und seine blutrot geschminkten Lippen bildeten dazu einen krassen Kontrast. Karak erinnerte in seiner Erscheinung eher an einen Cyborg erster Güte, denn an einen Menschen. 

Astro nahm langsam den Blick vom Hologramm des Planeten und blickte sein Gegenüber eindringlich an. >>Du wirst langsam immer grossmäuliger, ThinkmanÑ. Langsam muss ich mir tatsächlich Gedanken machen, wie ich Dich ersetzen werde.<<

>>Ich weiß nicht, ob dies der richtige Augenblick ist, über meine Ablösung nachzudenken, Herr. Bedenkt, dass die Sache mit Green Dream noch nicht abgeschlossen ist. Die Affäre hat eigentlich noch nicht einmal richtig begonnen. Ich nehme allerdings zur Kenntnis, dass über meine Disposition nachgedacht wird,<< sagte er mit schmollendem Ausdruck in der Stimme. 

>>Smoke – der Ganjaplanet, wie oft hatten wir mit diesem, uns seit Urzeiten zustehenden Lehen Ärger. Aber dieses Mal wird die Einnahme durch Aurus endgültig sein, wenn Deine Analyse für die Invasion des Planeten zutriffft, Karak.<<

Der Thinkman lächelte. >>Meinen Sie, mein Weitblick sei durch den Rauch schlechten Marihuanas getrübt, Meister? Sie kennen meine Qualitäten als Thinkman über Jahre hinweg. Ich verpfände mein Leben für das Gelingen von 97 Prozent der eingearbeiteten Details.<< 

Aus dem Datenschacht fiel eine Kommunikationsfolie, die von einem auffälligen Siegel in den Farben rot, gelb und grün verschlossen war und landete auf der Spitze des Haufen in der Ablage. 

Der Thinkman durchschritt mit merkwürdig eckigen Bewegungen den Raum und nahm die Folie in seine Hand. >>Der verfluchte Makonnen hat geantwortet, Herr.<<

>>Was hat er uns denn zu sagen? Lamentiert er wieder nur rum wie üblich, mit seinem Gesülze über Gerechtigkeit und dem ganzen Getue um Recht und Würde?<<

Karak öffnete die Folie und las. >>Wie man es vom Negus kennt, ist er wieder mal reichlich frech und direkt. Ein Treffen zwischen Aurus und den Makonnens vor seiner Übernahme von Green Dream kommt für ihn nicht in Frage. Er nennt Sie einen Heuchler, Lügner und machtgierigen, kranken Menschen.<<

>>Ist das alles?<<

>>Er schreibt noch etwas von einer Vendetta, Herr. Hierfür benutzt er die alttestamentarischen Stellen aus dem 2., 3., und 5. Buch Mose – Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand und Fuß um Fuß. Der Schrieb endet mit Negusa Nagast David Makonnen von Green Dream.<<

>>Der Spinner scheint tatsächlich so was, wie einen Ehrenfimmel zu haben, wenn er Blutrache androht. Und das mit der Übernahme von Green Dream scheint ihm mächtig das Selbstbewusstsein zu stärken. << Das Gesicht des Herrschers von Aurus begann langsam, sich in immer tiefer werdenden Rottönen zu verfärben. >>Aber, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Er wird schon sehen, was er davon hat, ein Friedensangebot von Viktor Astro abzulehnen.<<

Der Thinkman kicherte in sich hinein, wie ein kleines Kind, das irgendwas ausgefressen hatte. Immer wieder genoß er es, wenn sein Herrscher außer Fassung geriet.

>>Warum blödelst du hier rum? In solch einer Situation, in der du lieber die höfische Contenance zeigen solltest? Wenn ich mir die Farbe deiner Augen angucke, hast du heute schon wieder so viel Hanf verputzt, dass ich mir langsam ernsthafte Gedanken machen muß, wie ich deinen Hunger auf dieses Kraut weiter finanzieren soll. Kommen wir jetzt zum eigentlichen Zweck unseres Treffens.<< Astro drehte sich um und schaute den jungen Mann an, der die Konversation bisher still an der Konsole mitverfolgt hatte. >> Und du, Romulus, könntest ruhig ein wenig lebhafter an unserer Planung teilnehmen. Schließlich bist du eingeladen worden, um die hohe Kunst der Kriegsführung aus erster Hand von Meistern dieses Faches zu erlernen.<<

>>Ja, Vater.<< Romulus versuchte die Genervtheit über die Art seines Adoptivvaters mit einem Ton der Demut zu kaschieren. Wenn die zwei alten Säcke doch wenigstens was Interessantes zu erzählen hätten, dachte er. Bisher war das doch alles Kinderkacke. Dieses ganze, auf irgendwelche uralte Gemetzel zurückgehende Getue zwischen den Auriten und den Makonnens, interessiert mich echt nicht.< 

>>Mir tun die Makonnens ja irgendwie schon fast leid,<< fuhr Astro fort. Bald wird Dr. Jid zuschlagen und die Familie des Negus vernichten. Hoffentlich bekommt dieser alte Sack David überhaupt mit, wer ihn und sein Gekriech auf dem Gewissen hat. Wenn es sich erst mal im Universum rumgesprochen hat, wie wir mit diesem königlichen Abschaum umgegangen sind, werden wir ein gutes Exempel dafür statuiert haben, dass mit Aurus nicht zu spaßen ist. Wir werden wieder ganz oben sein. Wir werden stark sein. Die Milchstraße wird einmal mehr unter unserer Herrschaft stehen. <<

Er drehte sich zum Hologramm und griff in die Projektion. Während er das Abbild von Punt Ababa in seiner rechten Faust zerquetschte, zischte Astro: >>Und jetzt, Karak, wird es Zeit, dass mein potentieller Nachfolger Romulus etwas über die Kriegskunst der Auriten erfährt.<<

Der Thinkman grinste. >>Die axumitische Dynastie der Makonnens wird nach dem geplanten Schlag beendet sein. Wir sind dafür gerüstet, alle Familienmitglieder auf diverse Arten umzubringen. Das geht vom Giftanschlag bis zum Unfall.<<

>>Den Jungen wolltest du mir als Beute überbringen,<< fiel ihm Astro hastig ins Wort. >>Vergiß das nicht!<<

>>Er wird Ihnen allein gehören, Meister.<< sagte Karak gelassen und dachte: Die alte Schwuchtel. Sobald der nen knackigen Teenybody sieht, dreht er ab. Nen bisschen Glok geschnüffelt und ab auf die Spielwiese. Je mächtiger und reicher, desto perverser und versauter sind sie, der Spruch trifft immer wieder zu. >>Und Sie denken an den verabredeten Preis für meinen genialen Plan, Herr?<<

>>Du willst mir doch nicht unterstellen, dass ich meine Versprechen nicht halte. Was sollen diese ewigen Nachhakereien? Du sollst deine Vusi bekommen. Was hast Du eigentlich vor mit ihr? Willst Du sie quälen, um zu sehen, was eine dieser Amazonen an Schmerz ertragen kann. Oder versprichst du dir die Erfüllung exotischer Sexphantasien?<<

Der Thinkman starrte still vor sich hin. Sein Gesicht hatte einen verbissenen Ausdruck angenommen. 

>>Was soll das alles, Vater?<< erscholl es aus dem Hintergrund. >>Ich dachte, ich soll hier wichtige Dinge gezeigt bekommen. Aber du beharkst dich nur mit deinem Analytiker. Und das auf nicht besonders hohem Niveau. Das ist doch nicht die Kunst der Kriegsführung, von der ihr mir erzählen wollt.<<

>>Jetzt hast du Romulus verwirrt,<< sagte Astro zu seinem Thinkman. >>Mach weiter mit dem Plan!<<

>>Die Makonnens werden in ungefähr einer Woche ein Schiff der Transplanet Corp besteigen und ihr erstes Domizil in Uhuru, der alten Handelsstadt von Green Dream, aufschlagen. Clever Zulu, mein werter Kollege an ihrem Hofe, hat das für sicherer gehalten, als unser dortiges Hauptquartier in Gamara zu übernehmen. Sicherlich hat seine Analyse ergeben, dass wir dort vor unserem Rückzug einige Fallen istalliert haben.<<

Astro seufzte.

>>Aber auch in Uhuru haben wir einige nette Überraschungen vorbereitet.<< fuhr Karak fort. >>Wir werden ein paar Aufstände unter den Einheimischen initiieren, die die Aufmerksamkeit und Kräfte von Davids Truppen auf sich ziehen werden. Währenddessen kommen wir mit unseren Truppen von Osten. Übrigens haben wir zwei Legionen U.P.O. Truppen vom ersten Administrator zur Verfügung gestellt bekommen. Sie werden auf Green Dream in unseren Uniformen kämpfen.

>>U.P.O. Truppen,<< dachte Astro. >>Diese Kampfmaschinen, denen in all den Kriegen noch keiner überlegen war. Da wird wohl kein Stein auf dem anderen bleiben. Auf jeden Fall haben die Makonnens keine Chance. Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass sie für den Fall ihres Unterganges keine Evakuierung mit Überstellung an einen sicheren Ort an Bord eines Transplanet Corp Schiffes ausgehandelt haben.<< 

>> Haben wir Infos darüber, ob es einen Fluchtplan der Makonnes gibt?<<

Das ist doch eigentlich sekundär, Herr. Die Hauptsache ist doch, dass wir die endgültige Kontrolle über Smoke erhalten.<<

Astro lief erneut dunkelrot an und brüllte: >>Du kleine, dekadente, hanfvernichtende Fragemaschine. Was bildest du dir eigentlich ein? Ich will die Makonnens tot sehen. Tot! Ist das klar?<<

>>Ja, Herr. Ich wollte nur ausdrücken, dass Ihnen der Vorsitz bei Skin Up ProvisionsÑ und die damit verbundenen Vorteile wichtiger sein sollten, als ein paar Liter Blut des zugegebenermaßen verhasstesten Feindes auf dem Boden des Planeten.<<

>>Du kannst Dir die unwiderrufliche Macht und das Kapital überhaupt nicht vorstellen, die derjenige hat, der die Kontrolle über diesen verschissenen Planeten besitzt.<< sagte Viktor an Romulus gewandt. >>Und das soll eines Tages alles Dir gehören, mein Sohn.<<

Romulus verstand. Das Prinzip war schließlich uralt und hat sich ewig erprobt. Wer die Kohle hat, besitzt die Macht, wer die Macht hat, expandiert sie immer mehr bis hin zum totalen Kollaps. Aurus hatte schließlich auf diesem Prinzip mehrere Epochen der Vorherrschaft im Universum aufgebaut und ist mit ihnen wieder untergegangen. Mit dem Vorsirtz bei Skin Up konnte einem nicht mal mehr die U.P.O. gefährlich werden. Besonders in dem Zustand, in dem sich diese Organisation gerade befand. Und das wird alles bald mir gehören, dachte er und ein herbsüßes Lächeln legte sich auf seine Lippen. 

>>In der Zeit, wo die U.P.O. Truppen die Stadt Uhuru in Schutt und Asche legen, werden unsere Soldaten sich um die Makonnenresidenz kümmern,<< fuhr Karak in seinem Plan fort. >>Während wir das Gebäude erstürmen, dürften David und seine Brut schon tot sein. Damit die Palastintrigen klappen, haben wir diesem Clever Zulu einen Köder ausgelegt, der ihn von Jid ablenken wird. Er wird sich auf Vusi und die Mystix konzentrieren und der vollen Überzeugung sein, die Partnerin des Königs will Davids Leben auslöschen.<<

>>Und dann?<< fragte Astro.

>>Wenn alles geklappt hat, werden Sie bei Skin Up für eine lange Zeit das Sagen haben,<< antwortete Karak. 

>>Was mehr Macht und noch mehr Kohle bedeutet,<< warf Romulus ein. Ein gieriger Blick stach aus seinen Augen, als er die anderen Anwesenden ansah. >>Und alle werden wissen, dass mit uns Auriten nicht zu spaßen ist. <<

>>So wird es sein, << sagte Astro und dachte: >> Das wäre ja gelacht. Wir sind die einzigen, die diese wichtige Welt bisher beherrscht haben. Wer soll mit den aufmüpfigen Rastas sonst umzugehen wissen? Und mit den Jiddas, die auf eigene RechnungHanf an die anderen Planeten verkaufen. Solch ein Pack braucht den eisernen Griff von Viktor Astro und nicht die verweichlichten Patscherchen eines unerfahrenen Regionalfürsten von Punt, der sich größenwahnsinnig ’Kaiser’ nennt.<< 

>>Am besten finde ich an diesem Plan, dass der liebe David genau wissen wird, wer ihn vernichtet hat, >> fügte Karak hinzu. >>Seine Erzfeinde von Aurus.<<

>>Er weiß jetzt schon, dass da etwas Dickes auf ihn zukommt. Da bin ich mir sicher.<< sagte Astro und wandte sich dem Ausgang zu. >>Wir machen an diesem Punkt Schluß für heute. Ich bin sicher, mein Sproß Romulus hat einiges erfahren können. Und auf mich warten noch ein paar LadyboysÑ in meinen Privatgemächern. Und Hunger habe ich auch. noch<< Dabei leckte er mit seiner bläuliche Zunge über die blutleeren Lippen und bleckte gelbliche Zähne in einer Fratze, die ein Lächeln darstellen sollte. 

4

Preacherman, don't tell me Heaven is under the earth.

I know you don't know what life is really worth.

It's not all that glitters is gold, half the story has never been told.

So now you see the light, stand up for your rights.

Most people think, Great God will come from the skies.

Take away everything and make everybody feel high.

But if you know what life is worth, you will look for yours on earth.

And now you see the light, you stand up for your rights. 

We sick an' tired of-a your ism-skism game.

Dying and going to heaven in Jesus' name.

We know when we understand, Almighty God is a living man.

You can fool some people sometimes,

But you can't fool all the people all the time.

So now we see the light, we gonna stand up for our rights!

So you better:

Get up, stand up! (In the morning! Git it up!)

Stand up for your rights! (Stand up for our rights!) 

(Musiker Peter Tosh, 20. Jh.)

Die Religion der axumitischen Dynastie 

Ein Vortrag von Johannes Uxxam, in seiner Funktion als imperialer Griot am Hofe von Negus Makonnen. Gehalten an der Theokratisch Solomonidischen Akademie, Punt Ababa, 7. IjarÑ 974 

Geehrte Novizen, 

ich möchte diese Gelegenheit, vor Euch zu sprechen, dafür nutzen, Euch einen Einblick in die Grundzüge der Religion unseres Negus David und somit dem Glauben von uns allen, zu ermöglichen. Zunächst möchte ich anmerken, dass die Wurzeln der orthodoxen Kirche auf eine ewig lange Tradition zurückgreifen können. 

Am Anfang der Schöpfung erklang Jehovas Wort. Den Beginn des Bundes zwischen Ihm und dem Auserwählten Volke Israels machte ebenfalls das Wort, das Moses Ohr aus Göttlichem Munde empfing. Das Wort ist mächtiger als das Schwert. Wenn Jehova sich auf der Zunge von unseren Königen David, Salomo, Jesus, Selassie und Isiah offenbarte, wurde man der göttlichen Kraft der Äußerungen gewahr. Jedes Schwert und jede Laserwaffe sind plumpe Instrumente der Destruktion verglichen mit der Wirkung, die Worte haben können. 

So war auch bei der Genese des axumitischen Geschlechtes das Wort die Macht hinter den Ereignissen. Folgte Königin MakedaÑ von AbessinienÑ nicht der Nachricht um die Weisheit des Königs Salomo? Sie nahm die anstrengende Reise von ihrer afrikanischen Heidenresidenz in Kauf, um den König Israels in seiner Weisheit sprechen zu hören. Und führten nicht die Tiefgründigkeit und Intelligenz in Salomos Worten zur Leibesfrucht Israels in der exotischen Königin? 

Makeda wollte nicht vom König genommen werden. Also musste der weise Herrscher des Gelobten Landes sich eine List einfallen lassen, denn nur zu gerne hätte er mit dieser wunderschönen Frau aus fernen Landen seinen zweihundert Ehefrauen umfassenden Hof vervollständigt. Ein Pakt wurde geschlossen. Sie war bereit, mit dem König zu nächtigen, nachdem sie ihm das Versprechen abgenommen hatte, nicht mit Gewalt von ihm genommen zu werden. Woraufhin der weise Mann seinerseits die Auflage machte, dass Königin Makeda nichts aus seinem Palast stehlen dürfte. Beide stimmten zu und zogen sich nach einem üppigen Mahl in Salomos Privatgemächer zurück und legten sich zur Ruhe, jeder in einer Ecke des Raumes. 

In der Nacht bekam die Abessinierin einen brennenden Durst. Salomo war zuvor so hinterlistig gewesen und hatte die Speisen kräftig salzen und den gereichten Wein mit Essig versetzen lassen. Makeda erhob sich, um aus einem Gefäß in der Mitte des Raumes das Labsal frischen Wassers zu entnehmen. Das war der Moment, auf der zu schlafen vorgebende König Israels gewartet hatte. Makeda hatte gegen den Pakt verstossen. Frisches Wasser war schon immer das wertvollste Gut der Menschheit. Salomo seinerseits ließ sich von seinem gegebenen Versprechen entbinden und nahm die wunderschöne Exotin für die verbleibende Nacht zur Geliebten. 

Bald darauf machte sich Makeda auf den Heimweg in ihr fernes Reich. Salomo hatte in seiner Weisheit nicht vermocht, die von ihm begehrte Königin an sich zu binden. Zu sehr war ihr Herz vom Heimweh nach dem fernen Abessinien bestimmt. Bevor sie ihren staubigen und entbehrungsreichen Weg antrat, gab der König ihr einen Siegelring. Sollte aus der nächtlichen, mit List erlangten Verbindung ein Sohn hervorgehen, dann müsse sie seinen Spross mit dem Ring als Zeichen nach Jerusalem senden. 

Es verstrich die Zeit, die eine menschliche Frucht zur Reife benötigt und Makeda gebar tatsächlich einen Sohn, der Bayna Lehkem genannt wurde und den königlichen Namen Menelik annahm. Das Kind reifte im Hochland Abessiniens heran und sein Wissensdurst um den fremden Vater wurde immer größer. Doch seine Mutter Makeda wollte ihn nicht gen Israel ziehen lassen. Eines Tages änderte sie ihre Haltung. Bevor Menelik losreiste, nahm sie ihrem Sohn das Versprechen ab, dass er aus Jerusalem an die Brüste seiner Mutter zurückkehren müsse, egal, was dort geschehe. Dann übergab sie ihm den Siegelring Salomos und entließ ihn gen Jerusalem. 

Als Menelik nach einer langen Reise an den Grenzen des Heiligen Landes eintraf, huldigten ihm die Einwohner auf seinem Wege, waren sie doch der Meinung, der König der Israeliten würde an ihnen vorbei ziehen, so identisch war der Abessinier seinem Vater aus dem Gesicht geschnitten. 

Die Nachricht um ein Ebenbild Salomos, das gen Hauptstadt zieht, eilte der Karawane voraus und der König in Jerusalem begann zu jubilieren, ahnte er doch, dass dieser Reisende das Kind von der afrikanischen Exotenkönigin sein musste. 

Die Bewohner der Heiligen Stadt füllten die Straßen, als der Äthiopier mit seinen Mannen einzog und am Königlichen Palast absetzte. König Salomo war außer sich vor Freude, als er seinem Sohn gegenüber stand. Den Siegelring als Beweis für die Verbindung der beiden Regenten benötigte er nicht zu sehen. Zu überzeugend war die Ähnlichkeit zwischen den zwei Männern. 

Salomo war von seinem Kind sehr eingenommen. Es war sein erstgeborener Sohn, und er entschloß sich, ihn zu seinem Nachfolger als König der Israeliten zu erkären.Menelik jedoch erinnerte sich des Versprechens, an die Brüste seiner Mutter zurückzukehren, egal, was auch geschehe. So bat er seinen Vater, in die Heimat zurückkehren zu dürfen. Dies stimmte Salomo sehr traurig. Aus Vaterliebe willigte er ein und beschloß,die Bitte von Makeda um eine israelitische Dynastie in ihrem Reich zu erfüllen. Menelik wurde vom Hohepriester im Heiligen Tempel zu Jerusalem mit dem Heiligen Öl zum Israelitischen König David II gesalbt.Damit wurde die heidnische Regentschaft von WeibernÑ in Äthiopien beendet, wie es dem Wunsch der letzten Königin vom fernen Punt entsprach.Um eine würdevolle Reliquie für den Gott Israels zu haben, gab Salomo seinem Sohn ein Tuch von den Abdeckungen des Heiligen Schreins aus dem Tempel der Stadt mit. 

In seiner Weisheit bestimmte Salomo obendrein, dass sein gesamter Hofstaat und seine Amtsträger alle ihre erstgeborenen Söhne als Begleitung für Menelik mitgeben müssen, damit in Abessinien ein zweites Israel wachsen könne. Die Söhne und die Väter lamentierten und wehklagten, aber was half es? Der Abschied war unausweichlich, sie mussten von ihrem geliebten Israel und ihren Angehörigen Abschied nehmen. 

So machten die Erstgeborenen einen Plan, um ihren Schmerz zu lindern. Warum sollten sie den Schein der Heiligen Mutter Zion missen, wenn sie vielleicht mitgenommen werden könne? Als Söhne der einflussreichsten Personen Israels hatten sie die notwendigen Möglichkeiten und bauten eine Nachahmung des Heiligen Schreins. Sie brachen nächtens in den Heiligen Tempel ein, um die Mutter Zion mit einer wertlosen, von ihnen gefertigten Holzlade auszutauschen. Dann versteckten sie das Heiligste der Menschheit in Tücher gehüllt bei den Waren der Karawane, die gen Abessinien ziehen sollte. 

Niemand in Jerusalem bemerkte den Schwindel. Erst als die Reisenden schon einen großen Vorsprung hatten, wurde der Hohepriester Israels des Betruges gewahr und eilte zu König Salomo. Das Wehklagen war groß, denn der König hatte in der selben Nacht einen Traum gehabt, in dem die Heilige Sonne ihre warmen Strahlen nicht mehr auf Israel, sondern auf ein fernes Reich scheinen ließ. War es das Ende des Heiligen Landes? Salomo befahl, den Verlust des Allerheiligsten vor seinem Volke geheim zu halten. Er fürchtete sich zu sehr vor den Folgen für sein Land, sollte diese Wahrheit bekannt werden. 

Eine Verfolgung Meneliks hatte wenig Zweck, denn überall, wo dem König Israelsvon der voraneilenden Karawane berichtet wurde, hieß es, dass die Gruppe sich in einer Geschwindigkeit bewege, die nie zuvor gesehen wurde. Mutter Zion hatte es eilig, an ihrer neuen Bestimmung anzukommen. Gegen ihren Willen hätte Sie sich jedoch nicht von der Stelle bewegen lassen. Der Traum von König Salomo muß eine Offenbarung gewesen sein, dass das Heiligste Israels das Gelobte Land verlassen würde. 

Zion, die preziöse Lade mit den Gesetzestexten, die Vater Mose von Jehova erhalten hat, war Israel für immer verloren gegangen. Die Erstgeborenen weihten Menelik auf ihrem langen Weg eines Tages in das Geheimnis ein. Als er dann die Lade erblickte, kannte die Freude des Abessiniers keine Grenzen. 

Menelik begründete als David II in Axum die äthiopische Dynastie Israels. Er war als Halter Zions der Wahre König der Israeliten. Die erstgeborenen Söhne Israels heirateten einheimische Frauen und wurden FellachasÑ genannt. Die Sonne Zions war südwärts gewandert und schien über ihrem neuen Territorium. 

Das axumitische Reich florierte und gedieh. Die von David II gegründete Dynastie, die Kraft eines Gebotes von Salomo immer auch König der großen antiken ReicheÑ war, hatte im Strudel der irdischen und galaktischen Jahrtausende bisher nur zwei Unterbrechungen durch die Inthronisation von Ungläubigen. Die abessinische Linie des Negus ist das älteste KönigshausÑ des Universums. 

Der wahre Glaube wurde bis heute, unverfälscht durch die Zerrspiegel der Zeit von unserer orthodoxen Kirche bewahrt. Wir sind bis heute im Besitz der ältesten und reinsten Schriften des israelitischen Glaubens irdischen Ursprungs. Und wir zeigen alljährlich auf unserer Heiligen ProzessionÑ allen Völkern der Planeten, dass wir bis heute die Lade mit den Worten Jehovas besitzen. Niemand kann die ursprüngliche Gültigkeit der Orthodoxen Universalen Kirche Äthiopiens in Frage stellen, ohne mit dem SamalyalÑ in Verbindung gebracht zu werden. 

Um meine Worte zu vertiefen und besser zu verstehen, müsst ihr das alte irdische Manuskript namens Kebra NagastÑ studieren, die Weisheit um unsere Wurzeln steht dort in bildreichen Details niedergeschrieben. 

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>>Jetzt hast Du es hinter dir, Vusi, << sagte die alte, runzelige Amazone. >>Für dich war es bestimmt nicht so schlimm, wie für den Kleinen.<< 

Bekkele hatte seinen Hirnscreen ohne irgendwelche Schäden überstanden. Mittlerweile waren die Schatten, die Punts Sonne über den Uleke warf, lang geworden. Der Tag schickte sich an, vomdunklen Gewand der Nacht zugedeckt zu werden. Bekkele hatte sich in zu seiner Regenerierung nach dem Test in die Kirche zurückgezogen und die 21 Helferinnen der Mystix-Sondiererin befanden sich im königlichen Hof, um dort ihre Abendspeise einzunehmen. Die zwei Frauen waren allein. 

Vusis Gedanken reisten in ihre Vergangenheit zu einer Zeit, als sie selbst in Bekkeles Alter die schmerzhafte Prüfung ablegen musste. ... bestimmt nicht so schlimm..., dachte sie. Ich habe an unserer Schule auf Mali Nova selbst gespürt, wie stark der Schmerz eines Screens in Verbindung mit dem Trank ist. Das ist mit einem Screen unter normalen Bedingungen gar nicht vergleichbar. 

>>Warum musstest Du dem Negus auch einen Sohn gebären, wenn Dir von uns eine Tochter a