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CHIEMSEE REGGAE SUMMER 2001
Freitag 24. August bis Sonntag 26. August
Übersee Almau
 
Fetzige Blasmusik, lustige Landler mit viel Tschinderassabum, resche Burschen und fesche Mädels in der Krachledern und im Dirndl – das Bild, das die Welt von Bayern hat, irgendwie passt das schon auch auf den Chiemsee Reggae Summer: Mitreißende Bläser-Sets, stimmungsvoller Roots-Sound mit Trommel- und Bongo-Wirbel, knackige boys und sexy girls in Landestracht. Terminologisch und inhaltlich etwas anders, aber mindestens so authentisch.

Jaja, es gibt ihn noch den guten alten Chiemsee Reggae Summer. Und zwar in diesem Jahr ganze drei Tage, aber schon fast als Indian Summer, denn nach dem Wetterpech der letzten Jahre wurde das Festival auf 24. bis 26. August verlegt. Also Moonboots und Schneeschaufel nicht vergessen. Cool Runnings!
Außer dem Termin und hoffentlich auch dem Wetter setzen die Veranstalter auf bewährte Qualitäten und entgegen anders lautender Gerüchte mutiert der Reggae Summer nicht zu einem HipHop-Festival, wenngleich auch in diesem Jahr Bands auftreten, die außer dem Roots-Rhythmus noch ein paar musikalische Varianten auf Lager haben. Aber das war ja auch in all den Jahren zuvor nicht anders. Übrigens: Derzeit werden mit einigen hochkarätigen Reggae-Acts wie Bunny Wailer oder Luke Dube, Julian & Demian Marley ziemlich aussichtsreiche Verhandlungen geführt. 

Und das sind die Bands, die bereits bestätigt sind.

THOMAS D. Mit seinem neuen Album "Lektionen in Demut" hat sich Thomas D in Reflektor Falke verwandelt – ein Mischwesen aus einer Art Falke, einem Affen und Thomas D, das alles reflektiert, das jedem den Spiegel vorhält, um ihm sein wahres Gesicht hinter allen Masken und Rollenspielen zu zeigen. Ausgefeilte, intelligente Texte mit philosophischen, bisweilen poetischen Ansätzen, untermalt von melancholischer, schwerer Musik, die mehr an Wave als an Fanta 4 erinnert, Posaunen, Trompeten, schrille Gitarrenklänge, energetisches Trommelspiel, groovige Beats – alles in allem eine hochinteressanter und sehr ambitionierter Appell an die Menschlichkeit. Und deswegen auch beim Chiemsee Reggae Summer, obwohl kein Reggae, sehr willkommen.
 

Jan Delay in Köln, 05.2001
Jan Delay & Sam Ragga Band. Jan Delay kommt aus der Rapper-Szene, aber wie vielen seiner Kollegen ist es ihm da etwas zu eng geworden und hat (fast zwangsläufig) die weit größere Vielfalt des Genre Reggae mit seiner Vielzahl stilistischer Möglichkeiten entdeckt. "Some Independant Reggae Shit" oder, weniger vornehm formuliert, "heiße, weiße Scheiße" nennt er seinen Ragga, in dem viel Gefühl für Freundschaft und Vielmenschlichkeit steckt. Ein Freidenker aus der Samplergeneration, der sich wohltuend von den tumben Joysticksklaven emanzipiert hat und das Wort Protest in der Bedeutung der frühen 80er-Jahre zeitgemäß in den Mund nimmt. 

 

Everton Blender, Summer Jam 2000
EVERTON BLENDER & Frankie Paul & Band. Seit seinem Debütalbum "Lift Up Your Head" von 1994 ist Everton Williams alias Everton Blender ein ganz Großer des Conscious Dancehall Reggae. Diesen Ruf untermauerte sein 99er-Album "Rootsman Credential". Die US-Tournee im letzten Jahr, bei der das aktuelle Live-Album aufgenommen wurde, wurde zu einem einzigen Triumphzug, der in diesem Jahr in Europa seine Fortsetzung finden wird. Everton Blender ist der Dancehall-Derwisch und Roots Reggae-Komet Jamaikas, der mit fröhlicher Vielfalt und unglaublicher Ausgelassenheit seine Bühnen-Performance zelebriert. Sein neuestes Album "The Visionary" erscheint am 1. Juni. Beim Chiemsee Reggae wird er zusammen mit Frankie Paul & Band auftreten.

SÖHNE MANNHEIMS. Bei der auf den ersten Blick bunt zusammengewürfelten 17-köpfigen All-Star-Formation aus Mannheim um Xavier Naidoo ist der Star – fast wie bei einem guten Fußballteam - die Mannschaft. Gegründet auf Spiritualität, getragen von einer Vision, ist mit dem Album "Zion" ein abenteuerlicher Stilmix aus Pop, Soul, Reggae, HipHop entstanden. Und die Botschaft ist: "Jah Is Changing All".
 

Seeed live in Köln, 05.2001
SEEED. Die elfköpfige Formation aus Berlin steht für ziemlich relaxten Reggae-Groove. Ihre einfallsreiche Spielfreude und Lebenslust konnten Seeed mit "Tide Is High" und "Dickes B" schon auf zwei Singles pressen, ehe der Longplayer "New Dubby Conqueros" auf unterhaltsamste Weise den Markt bereicherte. Drei Sänger, eine upliftende Bläsersektion und eine tighte Rhythmuscrew bewegen sich gekonnt zwischen deutsch und englisch, zwischen Europa und Jamaika, zwischen Dub, Ragga, HipHop und Dancehall.

 

Gentleman, Summer Jam 2000
GENTLEMAN. Sein famoser Auftritt im letzten Jahr – der einzige bei strahlendem Sonnenschein – ist unvergessen. Der Botschafter nicer Riddims und aufrechter Lyrics zählt längst zu den Etablierten und hoch Geschätzten im Jah-Lande. Nach seinem Debüt "Trodin On" arbeitet der 26jährige Kölner, der als bislang einziger Deutscher auf dem Legendären Sunsplash in Jamaika auftreten durfte und Begeisterung erntete, derzeit an neuem Material, von dem es einiges auf dem Chiemsee Reggae Summer zu hören gibt.

MISTY IN ROOTS. Astreiner Roots ohne verderbliche Schnörkel und Verrenkungen ist seit vielen Jahren das Markenzeichen der Band. Handwerklich perfekt gemacht, gehören Alben wie "Earth", "Jah Sees Jah Knows" oder "Wise and Foolish" in den Plattenschrank jedes Roots-Freaks. Bei Misty in Roots kommen die Puristen voll auf ihre Kosten.
 

Patrice, s.o.m.a. Festival 2000
PATRICE. Mit "Ancient Spirit" hat Patrice ein international begeistert aufgenommenes Debüt-Album vorgelegt, das sich wenig um Grenzen schert: So imposant sein Stilmix aus Soul, Reggae, Folk, HipHop und Dub ist, so gewagt ist seine Sprache, in der englisch mit jamaikanischem und sierraleonischem Patois verschmilzt. Musik, die ständig unterwegs ist, erweiterbar und für alles offen.

PATO BANTON & THE REGGAE REVOLUTION. Viel beschäftigt, viel gefragt gehört Pato Banton neben Sting, Paul McCartney, Sir Elton John, Radiohead, Brian Ferry und George Michael zu den sieben britischen Musik-Acts, die je für den Grammy nominiert wurden. Seine Karriere begann vor mehr als 15 Jahren als MC im Sound System "V-rocket" seines Vaters, seither hat er auf Tourneen in der ganzen Welt vor Millionen Menschen gespielt, zahlreiche Alben veröffentlicht. Einer der großen Stars des diesjährigen Festivals, der mit energetischer Ausstrahlung und seinen positiven vibes unter anderem für Peter Gabriels Organisation WOMAD schon auf zahlreichen Festivals Headliner war.
 
HANS SÖLLNER & BAYAMAN SISSDEM. Heimspiel für den streitbaren Reichenhaller, der eigentlich nichts weniger möchte als seine Ruhe und die Freiheit, die jedem freien Erdenbürger zustehen sollte. Doch wie soll das bundesdeutsche Richterlein begreifen, daß ein Afrikaner weiße Haut trägt, daß einer in Bayern konfessionell das rk streicht und seit fast zehn Jahren der Religion der Rastas nachhängt. Manche nennen das, was Söllner von der Kanzel Bühne predigt, naiv, andere schlichtweg unmöglich. Weil es aber auch viele gibt, die so denken wie er, war es schon lang überfällig, daß er zusammen mit Bayaman Sissdem beim Chiemsee Reagge Summer auftritt. Und sogar mit dem Plazet des Bayerischen Fernsehens.

 
VITAMIN X. Das Vitamin für Frieden, Liebe und Einigkeit. Bei VX kommen nicht nur die Rasta-Freunde voll auf ihre Kosten, denn neben Reggae und Einflüssen aus der Popmusik enthält die X-Mischung auch traditionelle Folklore aus Westafrika, Highlife, Makossa und Soukous. Und das alles vermittelt die Band, deren Mitglieder aus Ghana, Zaire und von der Elfenbeinküste stammen, mit unheimlich viel Lebensfreude.

THE WAILERS. Anläßlich ihrer 30. Welttour (!) treten The Wailers mit sieben Original-Mitgliedern auf, die noch mit Bob Marley auf der Bühne gestanden sind. Unumstrittener Chef der Wailers ist Aston "Familyman" Barrett, der zusammen mit seinem 1987 verstorbenen Bruder Carlton Barrett, Ende der 60er-Jahre zur Band stieß. Als Peter Tosh und Bunny Livingston die Wailers verließen, stieg "Familyman", der überall in der Welt als Architekt des Reggae anerkannt wird, zum Musicdirector von Bob Marley auf. Der Bassist ist seither Garant dafür, daß The Wailers den spirit dieser Zeit aufrecht erhalten.
 
Nicht zu vergessen ist schließlich die geniale Zelt-Bühne auf der sich Größen der Szene das Mikro in die Hand geben. Als da wären Gringo, DJ Hell, Bobby Konders/Massiv B./Burro Banton, Buda Dub, Pow Pow, Rodigan, Caveman feat. Anthony B., Junior Kelly, Half Pint oder Bazooka Hi Powa, Soundsgood, The Rootsman, Earl 16, Anthony Johnson, Lecturer und Bongo Chilli.

Das Ticket für drei Tage inklusive Camping, Parken und aller Gebühren kostet 109 Mark und gibt’s ab sofort bei den bekannten Vorverkaufsstellen, unter telefonischen Hotline: 08621 7181 oder hier.
 


Copyright Photos:  ID / Chiemsee Reggae Festival / Dr. Igüz / Lukas S. / RootZ Crew / ADR  / Text: Chiemsee Reggae Festival  / Layout:  Dr. Igüz 1998 - 2001 Zum Seitenanfang