| Chiemsee
Reggae Summer 2006
Wunderschöne Location, wunderschöne
Musik und Securities, mit denen man sich einfach sicher fühlen muß…
Ein Bericht von Joscha Mergelmeyer |
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Am Donnerstag Abend kamen
wir im strömenden Regen in Übersee an. Am Bahnhof begrüßten
uns unsere Freunde von der Polizei, da es aber in Strömen regnete,
durften wir ohne aufgehalten zu werden in die bereit stehenden Shuttle-Busse
steigen und fuhren sofort zum Festivalgelände.
Die Anreise zum Festival
war kein Problem, denn das Ticket für den CRS zählt in fast ganz
Süddeutschland als Bus-/Zugticket für die betreffenden Tage.
Allerdings wurde die Reise für einige spätestens am Münchener
Hbf zur ständigen Konfrontation mit Zivilcops. Wer diese Hürde
ohne Festnahme und Verhör genommen hatte, saß jetzt mit uns
im Bus und dachte, genauso wie wir, schon voller Freude daran, im strömenden
Regen das Zelt zu errichten.
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Der Umtausch
von Festival-Tickets in Festival-Bändchen verlief sehr schnell. Dann
bekam jeder noch eine Mülltüte in die Hand gedrückt, die
allerdings von fast allen zum Regencape umfunktioniert wurde. Anschließend
kämpften wir uns durch den Schlamm, in den man bis zu den Knöcheln
versank, bis zum Eingang des Campinggeländes vor. Dort wurden alle
Leute noch mal gründlich abgeklopft. In Folge dessen fand man auf
dem Boden neben den Securities ein Sammelsurium von Grills, konfiszierten
Campingkochern und anderen Gegenständen mit denen man offensichtlich
Unheil anrichten könnte.
Dann sind wir schnell weiter
durch den Schlamm gestapft, haben eine frei Stelle gesucht und das Zelt
aufgebaut, sind rein und haben erst mal geschlafen. |
Freitag
| Am nächsten
Morgen war das erste, was ich bemerkte, der nicht mehr auf die Zeltplanen
prasselnde Regen. Die Sonne kam wunderbar warm scheinend über die
Alpen gekrochen und trocknete die nassen Zelte und Klamotten. Wir wollten
gerne im Fluß schwimmen gehen und hatten auch schon eine schöne
Kiesbank auf der anderen Flußseite entdeckt. Aber Pustekuchen, auf
der Brücke standen Securities, die angewiesen wurden, niemanden an
das andere Ufer rüberzulassen, obwohl die DLRG vor Ort war, um alles
abzusichern. Auch wäre das Schwimmen an der Kiesbank viel sicherer
gewesen, als auf der anderen Seite in der reißenden Strömung.
Nun erst ca. zwei Stunden später wurde dann die andere Flusseite in
den legalen Status erhoben. Zurück zum Zelt gings über einen
Umweg, denn ums ganze Campinggelände gab es zwei Meter hohe Bauzäune,
die ideal zum Wäsche aufhängen waren, aber die Bewegung drastisch
eingeschränkt haben. |
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Da der Auftritt des Openers,
Matisyahu, erst für 17.oo h angesetzt war, hatten wir noch genug Zeit,
um uns in Übersee, dem kleinen an das Festival angrenzenden Örtchen,
mit Lebensmitteln einzudecken. Der Supermarkt hatte die Preise angezogen,
so erschien es zumindest einigen Leuten, um aus dem Festival mehr Kapital
zu schlagen. Mit dem Shuttlebus ging’s anschließend zurück aufs
Gelände. Nachdem wir etwas gegessen hatten, sind wir um 16.oo h aufs
Festivalgelände gegangen und haben noch eine Runde durch die Stände
gedreht, bevor wir zur Mainstage gewackelt sind.
Matisyahu |
Um 17.00 h eröffnete
Matisyahu aus Israel das Festival. Der streng gläubige orthodoxe Jude
betrat die Bühne mit der traditionellen Kluft: Hut und Mantel, später
dann mit Kippa. Kaum auf der Bühne, legte er sofort los, ohne sich
richtig vorzustellen oder das Publikum zu begrüßen. Einige Songs
waren ganz gut, allerdings blieb der Sound stets relativ gleich. Als Abwechslung
stimmte er dann irgendwann einmal auch den traditionellen jüdischen
Singsang an. Der Frontmann nahm leider überhaupt keinen Kontakt zur
Crowd auf und spielte seine Gig ohne jegliche Bühnenshow. Schade,
für einen Opener hätte der Veranstalter einen Act nominieren
können, der etwas Dampf ins Festival gebracht hätte. |
Während
Matisyahu noch auf der Mainstage spielte, begannen auf der zweiten Bühne,
der Zeltbühne die argentinischen Los Skalameros mit ihrem heißen
Mix aus Ska, Hip-Hop und Reggae. „Salameros“ stammt aus dem Volksmund ihres
Heimatlandes und beschreibt junge Menschen, die in den Straßen rumhängen,
das Leben genießen und gemeinsam Musik machen. Ihre Bühnenshow
war sehr witzig und voller Energie. Obwohl es gerade mal 18.oo h war, ließen
sich die Leute von der ausgelassenen Stimmung, die von der Band verbreitet
wurde, anstecken.
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Weiter ging’s
auf der Mainstage mit wunderschönem Roots von den Jungferninseln,
der Heimat der Rastafarians von der Bambú Station. Ihre Texte wurden
von wechselnden Leadsängern vorgetragen. Sie sangen von Rastafari
Spirituality und anderen typischen Rastathemen.
< Ein Sänger
von Bambú Station
Mittlerweile hatten die vier
Schweden von Sirqus Alfon das Publikum bei der Zeltbühne mit ihrer
Mischung aus Kabarett, lustig vorgetragen Coverstücken und einer Menge
Spaß in den Bann gezogen. Der Sänger benutzte ein Megaphon,
der Drummer ein Kinderschlagzeug, der Bassist einen Kontrabass, mit dem
er ständig zu tanzen schien und der Keyboarder eine Melodica, dessen
langes Mundstück er irgendwann verschluckte und wieder vom Sänger
hervorgeholt werden mußte. Ein riesiger Spaß für die Augen...
< Sirqus Alfon |
Crowd bei der Culture
Memorial Show >
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Um Viertel vor zehn sollten
Culture auftreten, der Auftritt am Chiemsee war Teil der Europa Tour zum
30-jährigen Jubiläum der Band um Joseph Hill. Aber Joseph war
schon zu Beginn der Tour krank und starb am 19. August in Berlin, eine
Woche vor dem Festival .
Auf Wunsch der Familie
wurden die verbliebenen Termine der Tour nicht abgesagt und so stand an
diesem Abend Josephs Sohn Kenyatta Hill auf der Bühne. Das war ein
Akt, der übermenschliche Kraft benötigt, da der Tod Josephs gerade
mal eine Woche her war und Kenyatta als sein Sohn wohl noch voller Trauer
gewesen sein muß.
Auf der Bühne machte seinem
Vater aber alle Ehre und begrüßte wenig später Everton
Blender, den langjährigen Freund Hills für eine gemensame Show.
Blender begann ein Lied, mußte aber das Mikro zurück an Kenyatta
Hill geben, da der Schmerz noch zu nah war.
Die Memorial Show begann
in ehrlicher Trauer und entwickelte sich dann aber so, wie es sich der
Verstorbene gewünscht hätte: Die Jungen führen das weiter,
wofür Leute wie Joseph Hill den Grundstein gelegt haben. Kenyatta
Hill feierte mit der Massive, hinter ihm das Portrait seines Vaters, der
stolz sein kann.
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23.3o h, Showtime für
die deutschen Dancehall Caballeros von Seeed. Der Hauptakt des Abends spielt
eine von vielen perfekt durchchoreographierten Shows auf dem Chiemsee Reggae
Summer.
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Vor der Show
hatten zwei Elftel der Band noch den Weg ins Pressezelt gefunden. Die erste
Frage der anwesenden Presse war natürlich, wie sie es empfinden, mittlerweile
eine Dancehallband für den Mainstream zu sein. „Also erst einmal geht’s
um gute Musik“, stellte Eased fest und nicht ob das Publikum cool oder
nicht sei. Es sei natürlich traurig für einige Fans der ersten
Stunde, ihre geliebte Musik auf irgendwelchen Bravo Hits neben One-Hit-Wonders
zu finden und dann auch die entsprechenden Fans auf den Konzerten zu treffen.
„Aber“, fuhr er fort, „da die kleinen Mädels eh alle erst 13 sind,
ist es leicht sie noch umzuerziehen. Und wenn auch sie mal ab und zu gute
Musik hören wollen, kann man es ihnen ja nicht verdenken.“
Die beiden Jungs von Seeed
zeigten sich begeistert von der Location, und bemerkten daß je weiter
südlicher sie spielen, das Publikum ausgelassener ist. Nach dem Motto
die im Norden wollen sich von der Band unterhalten laßen, die in
den südlicheren Gefilden machen einfach Party ohne sich um irgendwas
zu scheren. Die teilweise sehr überzogene Merchandising Kampagne von
Seeed, z. B. das internationale Album, um weitere Märkte zu erschließen,
entschuldigen sie (indirekt) mit der Größe ihrer Band. Klar,
elf Musiker plus Techniker, Manager usw. wollen von irgendwas leben, aber
ob man sich deswegen so verkaufen muß, ist und bleibt fraglich.
Ihr Auftritt begann dann
schon sehr beeindruckend. Die Band fingen hinter einem purpurroten Vorhang
an zu spielen. Zu sehen waren nur Lichtblitze und Schatten der Musiker.
Während der Vorhang langsam hochgezogen wurde, fing das Trio an zu
singen. Die ersten Songs waren natürlich die Charterfolge ‚Ding’ Schwinger’
und ‚Aufstehn’.
Der Bühnengraben war
total überfüllt, wie schon bei der Pressekonferenz tummelten
sich dort Leute, die ich ansonsten im Pressezelt oder Bühnengraben
nie gesehen habe. Und in den ersten Reihen standen 13-15jährige Mädchen
à la Tokio-Hotel, die Jungs anhimmelnd. Diese Band zieht schon ein
seltsames Publikum an und die Leute auf dem Summerjam hatten schon Glück,
dieses Jahr keine Band namens Seeed auf dem Line-Up zu finden. Ich hab
mich mit einigen Fans noch unterhalten und dabei stellte sich heraus, daß
sie nur den einen Abend wegen Seeed gekommen sind. Na dann Prost Mahlzeit... |
So ähnlich sah leider
auch das restliche Publikum aus, keine gechillte, sich liebende Massive,
die den Reggae mit seinen Werten verinnerlicht hat, sondern Mainstream-
Publikum, das teilweise nur mit den Acts Seeed, Culcha Candela und Jan
Delay etwas anfangen konnte. Aber wer bin ich über andere zu richten,
steht schon in der Bibel.
Natürlich gab’s noch
einige Verfechter von Consciousness and Righteousness, sie waren aber eine
Minderheit, leider. Dieser Wechsel des Publikums hat natürlich viel
mit der dem Land Bayern zu tun. Viele Leute, die Reggae vom Herzen her
lieben, sind wegen der ordnungshüterischen Begleitumstände nur
einmal und nie wieder zum Chiemsee Reggae Summer gefahren. Naja, das habe
ich dieses Jahr auch am eigenen Leib erfahren. Für einen Soul Rebel,
der nur netten Reggae Sound genießen möchte, paßen die
extrem vielen Securities und Zivilcops einfach nicht in das Bild eines
friedlichen Reggae-Festivals. Und obwohl alle bösen Kiffer und
Rebellen zu Hause geblieben sind, konnte ich mich immer noch nicht an unsere
immerzu lallenden und nach Bier stinkenden Nachbarn auf dem Campinggelände
gewöhnen...
Die hohe Zahl der Securities
ist meines Wissens übrigens dadurch zustande gekommen, daß der
Veranstalter ein großes Polizeiaufgebot verhindern wollte, was aber
aufs selbe hinausläuft...
| Aber die Musik
war klasse und mit der gehts jetzt nach diesen eher unerfreulichen Details
weiter im Programm. Denn während Seeed noch auf der Mainstage ihre
Show abzogen ging’s im Zelt mit Mono & Nikitaman richtig heiß
zur Sache. Bevor sie aber das Zelt auseinander nehmen sollten, gabs noch
eine nette Pressekonferenz, bei der es sehr beschaulich zu ging. Soll heißen,
kaum andere Reporter fanden ihren Weg dart hin, denn die schienen Mono
& Nikitaman nicht so sehr zu interessieren.
Die beiden waren genauso
freundlich, wie sie sich auf ihren Alben immer geben.
Auf meine Frage, ob es heute
Abend Einschnitte in der Playliste bezüglich der Weedtunes geben würde,
da wir uns ja im Freistaate Bayern befinden, antwortete Nikitaman zwar,
daß man sogar in Bayern noch frei seine Meinung äußern
darf,
auf der Bühne zu rauchen,
hat dennoch kein einziger Künstler gewagt. Vielleicht war die Erinnerung
an die Wailers, die nach einem Auftritt in Bayern Bekanntschaft mit den
dort ansäßigen Ordnungshütern machten, noch zu präsent.
Ihr Auftritt dauerte knapp
zwei Stunden. Zwei Stunden nonstop Party in dem Zelt, von dessen Dach spätestens
nach dem Aufruf „Wenn wir alle springen gibt’s ein Beben in den USA“ der
kondensierte Schweiß tropfte. Kaum ein Act war so energiegeladen
wie der von Mono & Nikitaman. Die Folge ist, daß alle meine Fotos
von ihrem Auftritt nichts geworden sind, weil sie einfach nie stillgestanden
haben. Jeder der Bock auf ´ne Menge Schweiß und gute Lyrics
mit Witz hat, sollte mal vorbeischauen, wenn M&N in seiner Stadt sind.
Im Oldenburger Alhambra werden sie am 6. Oktober 2006 beim Reggaecorner
vorbeischauen. Ich freu mich jetzt schon auf das Wiedersehen.
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Nach einer kurzen
Umbauphase, die Mono & Nikitaman für den Verkauf ihrer Shirts
nutzen, denn sie machen Independent Musik, die man supporten sollte, waren
Mellow Mark & Pyro bereit, uns mit ihrer Musik und den genialen Texten
mit auf die Reise zu nehmen. Als erstes fiel mir die neue Frisur von Mellow
auf: No dreads anywhere... Obwohl ich sehr gerne Mellow Mark höre,
war irgendwie die Luft raus, also bin ich pennen gegangen, denn ich
war eh todmüde. Meine negative Bewertung hing wohl mit meiner Müdigkeit
zusammen, denn als ich Mellow am 2.9. in Oldenburg auf der Stadtfreshbühne
erlebte, war es wunderbar, voller Energie und lebendig. |
Samstag
Den Samstag eröffnete
Mr. „Boom Shack-A-Lack“, Apache Indian, auf der Mainstage. Schade, daß
man so jemanden um 12.oo h mittags verbraucht, wenn eh noch alle pennen.
| Von Eek-A-Mouse,
der danach performte, hab ich nur sein „Weed, Weed we love Weed...“ mitbekommen,
das bis zu den Zelten schallte. Bei seiner Pressekonferenz, die eher ein
Fotoshooting war, tauchte er mit Fliegerhelm und Drink in der Hand auf.
Am Nachmittag spielte Everton
Blender mit der Band House of Riddim zusammen. Oftmals wies er die Band
an, mit Spielen aufzuhören, weil er etwas erzählen oder kurz
innehalten wollte. Das nervte etwas beim Zuhören, aber er kam dennoch
sympatisch rüber.
Bei der sich daran anschließenden
Pressekonferenz tauchte er zusammen mit seiner Tochter, die mit auf der
Bühne sang, und der zweiten Sängerin auf. Er sprach über
Joseph Hill, seinen Freund und Mentor, der jetzt heimgefahren ist, nach
seiner langen Reise. Desweiteren sprach er sich für die Entkriminalisierung
des grünen Krautes aus. Schade fand ich, daß er keine deutsche
Band oder einen deutschen Künstler kannte. Er benannte nur House of
Riddim, die aber Österreicher sind. Seine hübsche Tochter kam
auch zu Wort. Sie erklärte, daß sie gerne für ihren Vater
bei den Auftritten singt, aber trotzdem nicht unter seinen Fittichen ist,
sondern ihr eigenes Ding macht.
Musiker, Staatsfeind, Volksheld,
das ist Tiken Jah Fakoly. Von der Elfenbeinküste ins Exil geflüchtet,
steht er mit seinem genialen Roots-Reggae auf, um gegen den Machtmißbrauch
der Politiker zu demonstrieren. Er spielte im weiten afrikanischen Gewand
seinen wunderschönen afrikanischen Roots, den ich leider nur kurz
genießen konnte. |
Eek A Mouse
Everton Blender
Tiken JAH Fakoly
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Denn Jan Eißfeldt,
bekannt als Jan Delay oder Eizi Eisz, gab vor seinem Auftritt um 19.3o
noch eine Pressekonferenz. Dort war es entspannt, er war nett, teilweise
veräppelte er die Reporter. Er kam im Poloshirt mit Sonnenbrille und
Basecap. Gleich zu Anfang sagte er, um Mißverständnisse zu verhindern,
daß der Reggae nicht von der Bewegung her tot sei, sondern daß
er in seinem neuen Album Mercedes Dance, jetzt gerne etwas anderes machen
wolle. Am ehesten noch ein Funkalbum, das irgendwo auch keines ist,
sondern am ehesten ein Mix vielleicht, sogar Pop ist das Ergebnis. Als
er bei den Beginnern Rap Platten machte, hörte er abends nach
einer Session keinen Rap mehr, sondern viel anderes. So kam es dann auch
zu seinem Reggae-Soloprojekt mit der Sam Ragga Band. Im Moment höre
er viel Rock, für ihn als ursprünglichen Hip-Hopper eigentlich
ein Greul. Mal sehen was sein nächstes Album bringt. Nach der Pressekonferenz
gab’s dann noch ein Fotoshooting und Autogramme.
Sein anschließendes
Konzert war meiner Meinung nach der Hammer überhaupt. Am Anfang lockte
er das Publikum mit sweeten Reggae Vibes und ging dann zu den Liedern seines
neuen Albums zurück. Dennoch spielte er fast die komplette Platte
„Searching for the Jan Soul Rebels“ und von der neuen „Mercedes Dance“,
relativ wenig. Sogar einige Songs aus Beginnerzeiten waren dabei. Seine
neue Band, Disko No 1, spielte ganz gut. Er ließ sich viel Zeit,
mit dem Publikum zu spielen und „Move it Move it“ zu singen. Es war ein
sehr geiler Auftritt und auch wenn Jan Delay ´ne Nummer zu kommerziell
ist, würde ich wieder hingehen. |
| Nach diesem
Jan Delay mit seinem Hut und Anzug, gab’s wieder einen Conscious Dancehall
Act: Chuck Fenda. Als der vermeintliche Chuck Fenda die Bühne betrat
waren erst alle begeistert, die Presseleue schoßen Fotos, viele Fotos.
Aber als er dann zu singen begann, wurden alle skeptisch. Auch ich dachte
mir, das kann ja nicht sein und bin erst mal aus dem Bühnengraben
raus, denn das konnte ich mir nicht antun. Wie sich ein paar Tracks später
herausgestellt hat, war er gar nicht Chuck, sondern ein begleitender Opener.
Einige sind nach den ersten Tracks schon gegangen und so hörte man
am nächsten Tag überall auf dem Zeltplatz das Gerücht, daß
Chuck Fenda schlecht sei. Die Leute die dageblieben sind, wurden aber mit
einem wunderbaren Auftritt beglückt. Mein Beileid an alle die gleich
abgehauen sind, es hätte sich für euch gelohnt.
Halb zwölf, ein Reggae-Urgestein
der ersten Stunde, Burning Spear, bringt seinen Roots an den Chiemsee.
Peter Tosh, Bob Marley usw. sind ja schon lange tot, jetzt aber, besonders
nach dem Tod von Desmond Dekker im Mai und Joseph Hill im August dieses
Jahres, wird einem so langsam bewußt, daß man bald keinen dieser
Pioniere des Reggae mehr live auf der Bühne erleben kann, und es ohne
sie weitergehen muß. Umso größer war die Vorfreude auf
diese Gelegenheit, ihn, eine der lebenden Legenden des Reggae, einmal live
zu sehen.
Seine Show war insgesamt
sehr solide, ohne aufwendige Selbstdarstellung oder ähnliches. Schöner
lebhafter Sound ohne riesige Stilsprünge und Breaks, sehr entspannt
aber keineswegs einschläfernd.
Nach seinem wunderbaren Auftritt
gab Winston Rodney, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, der
Presse die Ehre. Es war unübersehbar, daß er alt wurde er schien
freundlich, fast zurückhaltend, wie ein netter Opa mit seiner Jeansweste
und der Mütze, die er stets trägt.
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Chuck Fendah
Burning Spear
Winston Rodney
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Don Caramellow und
EL Criminal |
In der Nacht
von 2.oo bis 4.oo h morgens heizte der Raggabund der Massive kräftig
ein. Die beiden Brüder Don Caramellow und El Criminal bilden zusammen
mit der Gruppe Les Babacools den Raggabund. In den zwei Stunden ihres Auftrittes
spielten sie ihr gemeinsames Album „1.Welt“. Einige Songs performten die
beiden Brüder alleine, mit einer Gitarre. Ihren Song „Ganjatherapie“
bezogen sie auf die bayrische Polizei, für die Marihuana eigentlich
ein Muß sein sollte, damit sie nicht so verkrampft ist. Das findet
zumindest der Raggabund. Einer der schönsten Acts im fast vollen Zelt. |
Sonntag
| Als wir am Sonntag
erwachten, trommelte der in der Nacht begonnene Regen immer noch sachte
auf das Zeltdach. Das verging aber zum Glück im Laufe des Morgens.
Um 13.45 h spielten
die Franzosen von Dub Incorporation auf der Mainstage. Wunderschöne
Musik, aber leider durch die frühe Stunde bedingt, kam nicht so viel
Publikum wie sie verdient hätten. Ihr Sound besteht aus orientalisch
angehauchtem, sehr tanzbarem Reggae.
In der Umbauphase für
Culcha Candela bin ich kurz rüber ins Zelt, dort spielte gerade Leo’s
Den. Sie konnten mich nicht überzeugen, was natürlich mit dem
fast leeren Zelt zusammenhing, in dem sich einfach keine Stimmung aufbauen
konnte. Nicht erwähnenswert...
Nun ja um 15.40 h begannen
die Candeleros from outta Berlin mit ihrer Show. Bis vor einigen Monaten
trat Culcha Candela nur mit nem Dj (Dj-Chino) auf, jetzt ergab sich endlich
mal die Gelegenheit sie live mit einer Band zu erleben. Culcha war einer
der energiegeladensten Acts an diesem Tag. Leider fing es nach einer
halben Stunde zu regnen an und dennoch war die Schlammwüste vor der
Mainstage selten so gut besucht.
Bei der anschließenden
Pressekonferenz traten sie fast vollzählig an und überzeugten
die meisten mit ihrem Charme. Als es keine Fragen mehr gab, sangen sie
ihren Song ‚Back to our roots’ a capella. Leider habe ich den Eindruck,
daß die sympatischen Jungs zu sehr in die ‚Seeed-Ecke’ abrutschen.
Nach den Berlinern gabs
wieder Concious Roots Reggae mit Israel Vibration. Hab ich leider nur sehr
kurz gesehen, dennoch sehr nice.
Durch den Regen war alles
in Aufbruchstimmung. Wer heute noch weg wollte, packte seinen Kram gerade
zusammen oder war auch schon auf und davon.
Aber um 19.oo h gabs noch
mal einen Hammeract, Martin Jondo. Der Deutschkoreaner verzauberte das
Publikum mit seiner unverkennbaren Stimme und den beiden hübschen
Sängerinnen. Und obwohl die Legende Lee ‚Scratch’ Perry parallel auf
der Mainstage performte, wurde die Crowd nicht kleiner.
Der schrille Perry konnte
mich nicht ganz überzeugen, aber ihn hab ich auch nur kurz gesehen,
da wir zu dieser Zeit unser Zelt abgebaut haben. Denn wir wollten in der
Nacht von Sonntag auf Montag mit dem Zug zurück fahren, eine Schnapsidee,
die nur Nerven und Kraft gekostet hat, wie sich später herausstellte.
Das Campinggelände glich schon jetzt einem Schlachtfeld, überall
leere zurückgelassene Bierfässer (ja Fässer, das ist Bayern),
nichtverzehrte Konservennahrung, Klappstühle, Tische und viel anderer
Müll.
Aber ich wollte unbedingt
noch Bauchklang sehen, eine Band die keine Musikinstrumente benutzt und
dennoch über einfaches Beatboxen hinaus geht. Wie der Name schon sagt,
kommen alle Töne nur aus dem Bauch, dem Mund oder Nase. Leider war
es nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Sie erschufen mit
der auf die eine oder andere Weise ihren Körper verlassenden Luft
einen Sound im Goa-Style, sehr schnell, keine richtigen Texte, nur der
pure Beat. Es hatte teilweise schon fast etwas Rave-Party mäßiges.
Auf der Mainstage sang mittlerweile
eine Frau, die ich nicht unbedingt auf einem Reggae Festival erwartet hätte:
Joy Denalane. Musikalisch kann ich gar nichts dazu sagen, da ich einfach
nicht mehr aufnahmefähig war, um ehrlich zu sein. |
Sänger von Dub
Incorporation
Sänger von Leo's
Den
Culcha Candela
Israel Vibration
Martin Jondo
Lee Perry
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Steel Pulse
Schlammpackung 1
Schlammpackung 2 |
Danach ging’s
mit der nach dem Lieblingspferd des Bassisten benannten Band, Steel Pulse
aus England, weiter. Die Musik war zum Teil sehr schön, dubbig gemixt
mit Einspielungen, aber der wieder einmal einsetzende Regen vermieste es
einem schon. In der erneut aufgeweichten Schlammwüste wurde es immer
ungemütlicher. Also habe ich noch einen letzten warmen Kaffe runtergeschlürft
und das 2. Zelt, in dem die Rucksäcke, die –ein Wunder- trocken geblieben
sind, untergebracht waren, abgebaut.
Danach sind meine Begleiter
und ich schwer beladen über das Festivalgelände, das nun halb
verlassen und mit dem zurückgelassenem Müll wie ein Schlachtfeld
wirkte, zu den Shuttle Bussen gewandert. Auf dem Weg zum Bus, der uns zum
Bahnhof bringen sollte, haben wir noch kurz die Busters, die sehr energiegeladen
eine heiße Show für alle noch Dagebliebenen lieferten, gehört.
Dann gings zum Bahnhof, in
dessen Halle schon eine Menge Leute schliefen bzw. auf den Zug warteten.
Wir haben zermatscht, müde und ausgelaugt die Stunden bis zum Eintreffen
des Zuges rumgebracht. Na und dort trafen wir natürlich wieder auf
unsere Freunde von der bayrischen Polizei, die genau soviel Lust wie wir
hatten, zu dieser Uhrzeit dort rumzuhängen, mittlerweile war es wohl
ca. 3.oo oder 4.oo h morgens.
Den Rest der Reise hab ich
nur noch schwach in Erinnerung, irgendwann sind wir todmüde am frühen
Morgen zu Hause angekommen. Das war rein logisch betrachtet gar kein Zeitgewinn,
da ich den Tag sowieso durchgeschlafen habe... Da hätte mensch lieber
am Montag im Zelt ausschlafen und dann gemütlich zurückfahren
können. Aber hinterher ist man immer schlauer.
Zum Schluß noch ein
lieber Gruß an die Securities und die bayrischen Ordnungshüter,
die uns stets ein Gefühl von Sicherheit und Freiheit gaben. Bless
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